Ein Plattenbau in Bern wird saniert, und die Mieterschaft darf ihr Zuhause behalten – dank des Engagements des Eigentümers, seiner Tochter und des Büros Co. Architekten.
Auf Wiedersehen in der Platte
Ein Plattenbau in Bern wird saniert, und die Mieterschaft darf ihr Zuhause behalten – dank des Engagements des Eigentümers, seiner Tochter und des Büros Co. Architekten.
Fotos: Co. Architekten
Tankstelle, Autobahnausfahrt, Beton zwischen alten Bäumen und die Sonne auf den roten Stoffmarkisen – wer an die Giacomettistrasse im Berner Ostring reist, kommt in den 1960er-Jahren an. In zwei Reihen und bis zu neun Geschosse hoch legen sich die Häuser seit 1967 an die Strasse, Balkon an Balkon, Betonplatte an Betonplatte. Die Bauten beeindruckten Hansmartin Merz schon als Kind. Anfang 2020, inzwischen Inhaber der Emil Merz AG, entdeckte er, dass die Häuser mit den Nummern 2 und 4 auf einer Immobilienplattform zum Kauf standen. Die fehlende Erdbebensicherheit und die schadhaften Balkonverankerungen bereiteten ihm als Ingenieur keine grossen Sorgen. Er packte die Chance, die Häuser günstig zu erwerben. Nach dem Kauf informierte er im Sommer 2020 alle 87 Mietparteien, dass die Häuser grundlegend erneuert würden und eine Kündigung bevorstehe. In zwei Jahren könne die Sanierung an der Giacomettistrasse 4 beginnen, ein Jahr später die an der Nummer 2.
«Das kannst du nicht machen!» Valentina Merz, Hansmartin Merz’ Tochter, protestierte vehement und versprach, ihm bei einer sozialgerechten Sanierung zu helfen. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Rebecca Geyer gründete sie das Bureau Giacometti: eine Anlaufstelle für die Mieterschaft beider Häuser, beauftragt von der Emil Merz AG. Die beiden Prozessdesign-Studentinnen machten das Projekt zu ihrer Bachelor-Thesis und zogen mit dem Bureau in eine leere Wohnung im Haus mit der Nummer 4.
Als Erstes organisierten sie eine Sprechstunde an den Mittwochnachmittagen und ein Treffen auf dem Platz vor dem Haus. Neben der Eigentümerschaft und der Verwaltung sass von Anfang an auch Büro Co. Architekten mit am Tisch. «Uns war dieser Austausch auf Augenhöhe wichtig», betont Projektleiterin Jasmin Brunner. Sie alle hörten von den existenziellen Sorgen der Mieterschaft, aber auch von ihrer Beziehung zum Ort. Das Bureau und die Firma E...
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