Ringsherum
Kreislaufwirtschaft boomt. Doch es ist schwierig, im Kreis zu wirtschaften und dem Prinzip ‹Nichts geht verloren› zu folgen. Es sei denn, man verzichtet auf die Idee Wachstum.
Viel Geld fliesst in diesen Wiedergänger: in die Idee einer kreislauffähigen Wirtschaft. Diese hat gerade Hochkonjunktur, um im Jargon zu bleiben, inzwischen auch in der Schweiz. Organisationen mit lustigen Namen wie Pusch, Ecos, Yodel oder Sanu durabilitas haben sich Anfang 2019 zu einem Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften zusammengeschlossen. Mit dabei sind Unternehmerinnen und Unternehmer, die als CE2 (Circular Economy Entrepreneurs) auftreten. Das Netzwerk organisiert Veranstaltungen, Wettbewerbe und unterstützt junge, start-up-frohe Unternehmer, die auf dem Ideal, wonach nichts verloren geht, ein Geschäftsmodell aufbauen. Sie wollen Energie- und Materialkreisläufe schliessen, Produktionszyklen verlangsamen, Dinge reparieren und mehrfach verwenden.
Zwei Stiftungen unterstützen das Netzwerk: Mava Foundation und Engagement Migros. Erstere hat Luc Hoffmann gegründet, ein Naturschützer und Enkel des Firmengründers von Hoffmann-La Roche. Sie fördert das Vorhaben mit 1,25 Millionen Franken pro Jahr bis Ende 2022. Laut Stiftungsurkunde läuft dann alle Förderung aus. Das Programm ‹Nachhaltige Wirtschaft› verfolgt seit 2016 das Ziel, eine ehrgeizige Gesetzgebung zur Kreislaufwirtschaft in Europa zu etablieren. Für die Schweiz gilt es erst einmal, das Thema zu platzieren – zusammen mit Engagement Migros, die gleich viel Geld aufwirft. Damit nehmen beide Stiftungen – wie viele andere Organisationen – auf, was die Ellen-MacArthur-Foundation, Mutter der Kreislaufförderung, international propagiert. Die dekorierte Alleinseglerin Ellen MacArthur hatte nach ihrem Rücktritt vom Spitzensport 2010 die nach ihr benannte Stiftung gegründet, um der Kreislaufwirtschaft Schub zu geben. Dabei spielt auch Design eine wichtige Rolle.
Kommentar: Design für Kreisläufe
Besser die Wirtschaft als Ganzes redesignen statt mit ‹Jute-statt-Plastik›-Slogans wenig bis nichts erreichen? Es braucht beides. Voraussetzung, dass Dinge in einen sinnvollen Kreislauf gelangen, ist ihre Reparatur- und Rezyklierfähigkeit. Das erfordert den intelligenten Entwurf und die hochwertige Produktion: Auf dass wir die Dinge, die wir brauchen, lange mögen, teilen, reparieren, anders verwenden, rezyklieren. Aussagen über die positiven Effekte, die man damit erzielt, sind allerdings kaum zu verallgemeinern. Wie bei einer Ökobilanz gilt es, jeden Fall einzeln zu überprüfen. Zuweilen gelangt man so auch zu der Erkenntnis, dass statt neue Produkte entwickelt besser Geräte geteilt, Dienstleistungen oder Nutzungsrechte verkauft werden sollten. Gerade Letzteres hat den Vorteil, dass der Hersteller so besonders um Qualität der Produkte bemüht ist, die in seinem Besitz bleiben. Solche Ansätze brauchen mehr als technische Lösungen, mit möglichst wenig Material und Energie zu wirtschaften. Sie verlangen nach neuen Geschäftsmodellen, die sich am Markt erst durchsetzen müssen. Und sie sind nicht ohne uns, die Verbraucherinnen und Verbraucher, zu denken.