Leichte Vordächer aus Sichtbeton markieren die neue Zugangsseite der Pfaffechappe. Durch Verlegung der Eingänge hat sich die Orientierung im Schulhaus verbessert.
Leichte Vordächer aus Sichtbeton markieren die neue Zugangsseite der Pfaffechappe. Durch Verlegung der Eingänge hat sich die Orientierung im Schulhaus verbessert.

Altes Potenzial neu erschlossen

Die Pfaffechappe in Baden ist frisch saniert und dient nun als Primar- statt Oberstufenschulhaus. Das Büro ERP hat die Stärken des sperrigen Bauwerks durch kluge Massnahmen zum Tragen gebracht.

Text: Deborah Fehlmann
Fotos: Ariel Huber
16.08.2024 08:00

Ich habe viele schöne Erinnerungen an meine Primarschulzeit. Der Schwimmunterricht gehört nicht dazu. Widerwillig ging ich einmal pro Woche die paar Schritte den Hang hinab, der zwischen den vertrauten Sphären des Primarschulhauses Tannegg und der Schwimmhalle im Oberstufenschulhaus Pfaffechappe lag. Trotz seines heiteren Namens – er erinnert an ein früheres Kapuzinerkloster – erschien mir das Schulhaus bedrohlich: In düsteren Pausenplatzwinkeln und im Schatten der hohen Brückenbögen gleich nebenan lungerten seltsame Gestalten herum, in der Aula glotzten ausgestopfte Vögel aus Glasvitrinen, und auf dem erbarmungslos rauen Waschbetonboden schlug ich mir einmal übel die Knie auf. Am meisten aber störte ich mich an den labyrinthischen Grundrissen des weitläufigen Sichtbetonbaus aus den 1970er-Jahren. Nicht selten zweifelte ich, ob die fensterlosen Korridore, engen Treppenhäuser und dunklen Sackgassen mich je wieder ans Tageslicht spucken würden. Anderen erging es nicht besser. Ein älterer Herr im Bademantel, so hört man, soll sich auf der Suche nach seinem Seniorenschwimmkurs einmal ins Lehrerzimmer verirrt haben. Kurzum: Als die Stadt Baden 2016 beschloss, die Pfaffechappe zu sanieren und fortan als Primarschule zu nutzen, taten mir die künftigen Schulkinder etwas leid. Doch meine Sorgen erwiesen sich als unbegründet.

Sanierung Schulhaus Pfaffechappe (heute Tannegg), 2024
Grabenstrasse 1, Baden AG
Architektur: Egli Rohr Partner, Baden
Bauherrschaft: Stadt Baden, Abteilung Bau
Auftragsart: Wettbewerb, 2009
Landschaftsarchitektur: Hager (heute Uniola), Zürich
Statik: MWV Bauingenieure, Baden
Haustechnikplanung: Schoch Reibenschuh, Volketswil
Bauphysik und Akustik: Buri, Volketswil
Kunst am Bau: Zilla Leutenegger (2024), Paul Agustoni (1974)
Farbkonzept Schwimmhalle: Jean Pfaff, Solothurn

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