«Denken spart Ressourcen»

Konfrontiert mit einem mittelalterlichen Hauskomplex in Zug, haben Stefan Wülser Architekten einen klugen Prozess gestaltet. Für das Resultat erhalten sie den Hasen in Silber in der Kategorie Architektur.

Text: Palle Petersen
Fotos: Sven Högger
05.12.2024 14:00

Im Herbst 2020 erwarb ein Paar das Haus an der Seestrasse 1 in der Zuger Altstadt. Beim Bieterverfahren gingen sie von einem Jahr Umbauzeit und überschaubaren Kosten aus. Sie wollten im Haus wohnen, im Erdgeschoss ein Kulturlokal einrichten und zusammen mit den international verstreuten Mitarbeitenden ihrer Firma wirken. Im Planerverfahren mit über 20 Architekturbüros überzeugte Stefan Wülser mit radikaler Ehrlichkeit: Niemand wisse, was hinter den Gipsplatten der 1980er-Jahre stecke, deshalb könne er kein Resultat versprechen, aber einen Prozess. Der sollte nicht ein Jahr, sondern vier Jahre dauern.

Haus in Zug, 2024
Seestrasse 1, Zug
Bauherrschaft: privat
Auftragsart: Direktauftrag nach Planerwahl, 2020
Architektur: Stefan Wülser, Zürich
Ingenieure Holzbau: IHT, Schaffhausen
Ingenieure Massivbau: Basler & Hofmann, Luzern
Bauphysik: RSP, Luzern
Bestandsanalyse Holz: Holzatelier Keiser, Zug
Bestandsanalyse Farbe: Fontana & Fontana, Jona
Holzbau: BHC, Unterägeri
Metallbau: Kaufmann, Goldau
Baumeister: MAD Bau, Steinhausen
Geschossfläche: 360 m2
Baukosten (BKP 2): ca. Fr. 2,2 Mio.

Stefan Wülser
Seit 2020 führt Stefan Wülser (42) ein eigenes Zürcher Büro mit einer Handvoll Mitarbeitender. Zuvor arbeitete der ausgebildete Hochbauzeichner und Architekt in der Partnerschaft Wülser Bechtel und als Angestellter bei Frei + Saarinen sowie Galli Rudolf. Seit 2024 ist er Professor an der Hochschule Luzern, wo er bereits zuvor als Dozent tätig war. Daneben beschäftigen ihn Vorträge, Gastkritiken, Publikationen und Ausstellungen. Ebenfalls im Jahr 2020 gewann Stefan Wülser beim Hochparterre-Format ‹Wilde Karte›.

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