Ins Leben hineintasten
Nicht sehen und schwer hören von Geburt an – die ‹Tanne› in Langnau am Albis ist die Stiftung für taubblinde Menschen. Scheibler Villard Architekten haben für sie ein Schul- und Wohnhaus gebaut.
Die Sonne strahlt ins Zimmer. Seine hellen Holzwände haben im oberen Teil Rillen und Löchlein, die bauschigen Vorhänge bei den Fenstern sind gerafft, ein dunkel geölter Stäbchenparkett schliesst den Boden ab, er ist als Schwingboden so aufgebaut, dass das Zimmer zu einem Resonanzkörper wird. Tamburine, Schlaghölzer und Gitarren stehen herum. Aus dem Lautsprecher wummert Musik mit markanten Bässen. Ein kleines Mädchen liegt auf dem Boden und wiegt hin und her; sein Lehrer kniet neben ihm. Es hört seit Geburt nichts, es sieht nichts, und es kann sich nur schwer bewegen – aber es spürt die Musik, von Wellen durch die Luft und über den Boden getragen. Das Mädchen lernt Töne unterscheiden, es entspannt und spannt sich, es hört Geräusch nicht über die tauben Ohren, sondern über seinen Tastsinn. Und es lernt den Kontakt mit seinem Lehrer. «Sinne öffnen, Dialog ermöglichen», heisst die Schlagzeile auf dem Prospekt der ‹Tanne›, der Stiftung für Taubblinde, die in Langnau am Albis ihr «Kompetenzzentrum» hat «für Kleinkinder, Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Hörsehbehinderung und verwandten Formen von mehrfacher Sinnesbehinderung».
Tanne, Schweizerische Stiftung für Taubblinde, 2015–2020
Alte Dorfstrasse, Langnau am Albis ZH
Auftraggeber: Tanne, Schweizerische Stiftung für Taubblinde, Langnau
Auftragsart: Selektives Verfahren unter Fünfen mit Überarbeitung von Zweien
Architektur: Scheibler Villard Architekten, Basel
Generalplanung: ARGE Scheibler Villard und Steiner Hutmacher (Bauleitung)
Ingenieure: Conzett Bronzini, Partner, Chur
Umgebung: Hoffman & Müller, Landschaftsarchitektur, Zürich
Holzbau: Blumer Lehmann
Bauphysik /Akustik: Mühlebach Partner, Winterthur
Baukosten: 43 Mio Franken (Umbau Bestand und Neubau) (Projekt läuft noch)