Die rote Kaserne ist das einzige repräsentative Gebäude am Kleinbasler Rheinufer.
Die rote Kaserne ist das einzige repräsentative Gebäude am Kleinbasler Rheinufer.

Öffentlichkeit statt Repräsentation

Hans Focketyn und Miquel del Río haben die Kaserne Basel umgebaut. Das Spektrum ihrer Eingriffe reicht von radikal bis subtil. Entstanden ist ein ausgewogenes Ganzes.

Text: Werner Huber
Fotos: Adrià Goula, Laurian Ghiniţoiu
10.10.2022 08:00

Es hätte auch ganz anders kommen können mit der Kaserne in Basel: «Wenn dann gelegentlich auch noch die Kaserne verschwindet, dann wird die ganze Schönheit des Klingental-Komplexes offenbar und damit das ganze Stadtbild bereichert», war in der Zeitschrift ‹Unsere Kunstdenkmäler› 1958 zu lesen. Und als der Kanton Basel-Stadt 1973 einen offenen Ideenwettbewerb ausschrieb, hiess es im Programm unmissverständlich: «Als einziger Bau auf der Wettbewerbsparzelle bleibt die unter Denkmalschutz stehende Klingentalkirche mit ihrem angebauten Laienteil bestehen.» Doch wie so oft bei grossen Ideenwettbewerben ohne klares Ziel wurde auch in diesem Fall nichts aus den hochfliegenden Plänen für einen weitläufigen Park samt Tiefgarage und partieller Überbauung. Bald regte sich zudem der Widerstand gegen den Abbruch der Kaserne, die sich mit Zwischennutzungen in die Gegenwart gerettet hatte. Nach einem Wettbewerb hat der Kanton die Kaserne nun nach Plänen des Studios Focketyn del Río saniert und umgebaut. Fast zehn Jahre dauerten die Planung, der politische Prozess und die Bauzeit. Gross, rot und stolz steht der mächtige Bau seit bald 160 Jahren am Kleinbasler Rheinufer.

Umbau und Gesamtsanierung Kaserne, 2022
Kasernenhof 8, Basel
Bauherrschaft: Bau- und Verkehrsdepartement des Kantons Basel-Stadt
Architektur: Focketyn del Río Studio, Basel; Miquel del Río, Hans Focketyn
Tragstruktur: Schnetzer Puskas Ingenieure, Basel
Generalplanung: Arge Kaserne Hauptbau (Focketyn del Río Studio, Basel, Caretta Weidmann Baumanagement, Zürich, Schnetzer Puskas Ingenieure, Basel)
Auftragsart: Wettbewerb, 2013
Kosten: Fr. 46 Mio.

Verwandte in Zürich
1876, gut zehn Jahre nach dem Bau in Basel, erhielt auch Zürich eine neue Militärkaserne. 1975 beschloss der Kanton, die Kaserne ins Reppischtal zu verlegen. Als das Militär 1987 auszog, übernahm die Kantonspolizei einen grossen Teil der Kaserne. Über die Jahre nisteten sich in den Stallungen und teilweise in den Zeughäusern kulturelle Nutzungen ein. Wie in Basel blieb die definitive Nutzung des Kasernengebäudes umstritten. Im Jahr zentrums (PJZ). Nach zähen politischen Querelen, zwei Volksabstimmungen und einer langen Bauzeit nahm das PJZ in diesem Jahr den Betrieb auf. Bis 2026 wird nun das Hauptgebäude der Kaserne zu einem Bildungszentrum für Erwachsene mit öffentlicher Erdgeschossnutzung umgebaut. Ein Themenheft, das der Hochparterre-Novemberausgabe beiliegen wird, stellt das PJZ vor.

Getrennte Wege
Die Architekten Hans Focketyn und Miquel del Río gründeten ihr Büro 2013, in dem Jahr, in dem sie den Wettbewerb für die Kaserne Basel gewannen. Es war eine Zeit, in der sie intensiv an Wettbewerben teilnahmen. Focketyn stammt aus Belgien und ist in Genf aufgewachsen, del Río kam aus Barcelona in die Schweiz und hat kolumbianische Wurzeln. Kennengelernt haben sich die beiden bei Herzog & de Meuron in Basel. Gemeinsam arbeiteten sie an Projekten und Umbauten, nun ist ihr erstes grosses Werk vollendet – und die Bürogründer haben sich getrennt. Mit den Büros Hans Focketyn Architekten und Mideri Architekten gehen sie fortan eigene Wege. «Das Gebäude lebte viele Leben und soll nun weiterhin viele Leben leben», meint Miquel del Río zur Kaserne. Er und Hans Focketyn haben die Kaserne Basel, 1863 von Johann Jakob Stehlin dem Jüngeren erbaut, auf einem kurzen Wegstück begleitet und in die Zukunft geführt.

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