Lastwagen statt Velos
Der Bahnhof Basel wird umgebaut. Um Züge und Gleise geht es dabei aber kaum. Sondern um Läden, Büros, Wohnungen, um mehr Lastwagenfahrten und um das einmal mehr vernachlässigte Velo.
Die SBB sind zwar ein Logistikkonzern. Die am stärksten wachsenden Einnahmen stammen jedoch aus ihren Gebäuden. Stieg der Ertrag aus dem Personenverkehr 2019 um 2,2 Prozent und jener im Güterverkehr um 2,9 Prozent, so legten die Mieteinnahmen aus Geschäftsflächen und Wohnungen um 9,9 Prozent auf 552 Millionen Franken zu (mehr darüber in Hochparterres Themenheft ‹Die unbekannte Gigantin›). Woher das viele Geld kommt, zeigt das Beispiel des Bahnhofs Basel SBB: Die frühere Schalterhalle ist heute fest in der Hand der Migros. An drei Wänden reihen sich fünfzig Laufmeter Ladengeschäfte und Take-aways. Die orange Invasion ist zwar nur temporär und wird 2021 wieder abgebaut, um mehr Platz für den Personenfluss von und zu der Passerelle zu schaffen. Dennoch nimmt die Dominanz des Detailhändlers zu: Demnächst geht im Ostflügel ein Take-away mit zwei Self-Checkout-Kassen in Betrieb. Der Paukenschlag folgt dann im Frühling 2021: Einerseits eröffnen im Westflügel zwischen der Schalterhalle und dem französischen Bahnhof ebenerdig eine Reihe von Läden, in der die Migros auf 500 Quadratmetern mit dem Gastroformat ‹Eatery› präsent ist. Ebenso im Erdgeschoss wird sie Blumen und Produkte des täglichen Gebrauchs verkaufen und im Untergeschoss auf 1600 Quadratmetern einen MM-Supermarkt eröffnen. Alles zusammengezählt wird die Migros im Bahnhof Basel SBB 2200 Quadratmeter Ladenflächen betreiben.
Umbau Westflügel Bahnhof Basel SBB, 2007–2021
Zurzeit sind etliche Ladenprovisorien in Betrieb. Denn der Westflügel wird von Grund auf saniert, die Zollbauten in der SNCF-Halle abgebrochen und im Erd- und Untergeschoss 7000 Quadratmeter neue Geschäftsflächen eingebaut.
Bauherrschaft: SBB Immobilien
Architektur: Arge Roost/Menzi Bürgler Architekten, Zürich
Statik: WAM Planer und Ingenieure, Bern
Baukosten: ca. Fr. 85 Mio.
Überbauung Nauentor, 2011–2029
Ersatz des Post-Reiterbaus von 1980. Eine raumhaltige Konstruktion überspannt die Gleise. Darauf stehen ein viergeschossiger Sockel mit Innenhöfen und drei bis zu 89 Meter hohe Türme. 50 000 bis 80 000 Quadratmeter Arbeitsfläche und Wohnraum für 600 Personen sollen entstehen. Der Wohnanteil beträgt ein Drittel, Vorgaben zu den Mieten gibt es nicht. Eine öffentliche ‹Magistrale› für Fussgängerinnen soll die Bebauung durchqueren.
Bauherrschaft: Postfinance, SBB
Architektur: Morger Partner, Basel
Bruttogeschossfläche: 128 500 m²
Investition: Fr. 450 Mio., davon SBB 100 Mio., Post 350 Mio.