Ausgerechnet Beton ist punkto Carbon Removal ein Hoffnungsträger. Einerseits wird Kohlenstoff als Pflanzenkohle beigemischt, andererseits wird Recyclinggranulat mit CO2 aus Biogasanlagen begast.
Die Firmen Zirkulit und Neustark machen physikalisch dasselbe, doch ihr Geschäftsmodell ist völlig unterschiedlich.
Für karbonatisierten Beton ist Recyclinggranulat nötig, denn das CO2 aus den Biogasanlagen setzt sich beim Begasen an den Zementresten fest und versteinert.
Das karbonatisierte Granulat sieht identisch aus und hat identische Eigenschaften wie gewöhnliches Granulat. Ausser den hohen Kosten gibt es keine Nachteile.
In Silos wie jenem von Zirkulit Beton wird das Recyclinggranulat mit CO2 begast.
Die Firma Klak im Bündnerland produziert Pflanzenkohle als Zuschlag für Beton. Die Speicherung ist dauerhaft, doch gibt es keinen Zusatznutzen und die Skalierbarkeit ist beschränkt.
Holzschnitzel aus Restholz lassen sich zur Wärmeproduktion verfeuern – oder eben mittel Pyrolyse in Pflanzenkohle umwandeln, um Kohlenstoff zu speichern.
Pyrolyse ist ein langsamer Verbrennungsprozess fast unter Sauerstoffausschluss, den in einfacher Form schon indigene Völker im Amazonas kannten.
Werden Holzschnitzel als Energieholz verfeuert, gelangt sämtlicher Kohlenstoff als CO2 in die Atmosphäre. Bei der Pyrolyse bleiben immerhin 30 bis 50 Prozent in der Pflanzenkohle übrig.
Beton mit Pflanzenkohle ist leicht dunkler.
Der zweite Hoffnungsträger ist Holz. Tatsächlich sind Wälder CO2-Entfernungsmaschinen. Doch die Lebensdauer von Holzbauten ist kurz, und wenn die Senkenleistung auf dem Markt verkauft wird, stellen sich kritische Fragen.
Wenn Bäume wachsen, nehmen sie CO2 aus der Atmosphäre auf, binden den Kohlenstoff C als Zellulose und geben den Sauerstoff O2 ab.
Baufähiges Stammholz besteht je nach Art und Trockenheit zu 50% aus Kohlenstoff C. Verbrennt oder vermodert dieser, werden aus einem Kilogramm zusammen mit dem Sauerstoff O2 etwa 3,66 kg CO2.
Wie das Atrium des neuen Hauptsitzes von Blumer Lehmann zeigt, ist Holz wunderschön, frei formbar und verdrängt CO2-intensiven Beton. Ein echter Klimaretter.
Doch so klimaklug der Holzbau auch ist, bei der Anrechnung des Kohlenstoffs als Carbon Removal ist höchste Vorsicht geboten: Wo wird bilanziert und kontrolliert? Wie lange ist der Kohlenstoff sicher gebunden?
Recyclingbeton spart lediglich Ressourcen wie Kies. Dank neuem und in der Regel eher mehr Zement, sind die grauen CO2-Emissionen gleich hoch bis höher als bei neuem Normalbeton.
Carbon Removal im Bild
Helfen uns Pflanzenkohle, CO₂-begaster Beton und Holzbau aus der Klimakrise? Die Bildergalerie von Ephraim Bieri zeigt Schauplätze und Verfahren der wichtigsten Carbon-Removal-Methoden.