Nicolas Mentha und Jeanine Walther vor ihrem Atelier im Kreis 4 in Zürich. (Foto: Selina Meier)

Stimmungen entwerfen

Mentha Walther Architekten knobeln gerne im Bestand und lassen sich auf vergangene Zeiten ein. Den Startschuss für ihr Büro gab aber ein erfrischender Neubau.

Ein rosenumrankter Bau in einem Hinterhof im Zürcher Kreis 4. Im Atelier stehen Metallgestelle, darauf schwere Bücher, Modelle auf dem Tisch. Jeanine Walther und Nicolas Mentha lernten einander im ersten Semester im Architekturstudium an der ETH kennen. Doch die Idee für ein gemeinsames Büro ergab sich erst, als sie 2017 den offenen Wettbewerb für ein Garderobengebäude am Hönggerberg gewannen. «Ich sagte: Büro, oder?», erzählt Jeanine Walther lachend. Die Sache war klar.

2017 gewannen die Architekten den offenen Wettbewerb für ein Garderobengebäude am Hönggerberg in Zürich.

Situation

Die Architekten dachten das Projekt von der Landschaft her und holten schon im Wettbewerb das Landschaftsarchitekturbüro S2L mit ins Boot. Der Pavillon, der nächstes Jahr eröffnet wird, liegt zwischen zwei Fussballplätzen. Die Wege führen von beiden Seiten zum Gebäude und als Laubengänge durch dieses hindurch. Die Logik des Holzbaus gibt dem Haus einen strengen Rhythmus. Gleichzeitig wirkt es offen, leicht und luftig. «Der Bau soll einfach und doch feierlich sein», erklärt Nicolas Mentha. «Eine Festhütte.» Ähnliche Themen schwingen schon beim Wettbewerbsbeitrag für ein Restaurant im Tierpark Dählhölzli in Bern mit: ehrliche Konstruktion, atmosphärische Dichte, sorgfältige Holzdetails. «Die Stimmung, die Poesie sind uns wichtig. Wir denken nicht primär in Konzepten», so Mentha, der drei Semester lang bei Miroslav Šik studiert hat. Dass die beiden auch ganz anders können als mit Holz, zeigt ihr Beitrag für den neuen FCZ-Campus in Zürich, wo sie einen zweiten Rang holten: kompaktes Volumen, Lochblechfassade, Stahlbeton. «Man muss sich auf den Ort einlassen», so Walther.

Unterschiedliche Stärken

Sie redet schnell und lacht gerne, er wartet ab und wirkt ruhiger. «Wir funktionieren anders», sagt Walther. Ihre Unterschiede sind ihre Stärke. Mentha arbeitet im Entwurf viel im 3-D-Modell, mit Bildern und mit Referenzen. «Er ist ein wandelndes Architekturlexikon.» Sie wiederum entwirft eher im Plan, setzt Räume in Beziehung zueinander und prüft die funktionalen Verbindungen. Vor drei Jahren sind die beiden gestartet, heute arbeiten sie auf zwei Baustellen und an einem Bauprojekt. 2018 stellten sie den ersten Mitarbeiter ein. Ein halbes Jahr später wurde Nicolas Mentha Vater. Seither kümmert er sich an einem Tag pro Woche um seine Tochter. «Es braucht eine Balance.» Diese gelingt ihnen bisher gut. Und wenn Abgabe ist, müssen eben beide Überstunden machen.

2019 gewann das Büro das Planerwahlverfahren, um die ehemalige Textilfabrik neben dem Tanzhaus in Zürich für eine Schule fit zu machen.

Wie bei vielen jungen Architekten gehören Umbauten zum täglichen Brot. Die beiden haben in Biel und Bern Häuser renoviert – und dabei auch die Bauleitung übernommen. 2019 gewann das Büro das Planerwahlverfahren, um die ehemalige Textilfabrik neben dem Tanzhaus in Zürich für eine Schule fit zu machen. Derzeit bauen sie ein Einfamilienhaus in der Forch um, das die Strasse einst von der anderen Seite her erschloss. «Also haben wir das Haus umgekehrt», so Walther. Die Architekten machten aus den beiden Hausteilen der 1930er- und 1980er-Jahre zwei unabhängige Einheiten und schälten deren Eigenheiten heraus. Das Panoramafenster im ausgebauten Kellergeschoss kommt schon im Bestand vor. Auch die neue Treppe im Anbau wirkt, als wäre sie schon immer da gewesen. Klug bauen die beiden weiter, ohne die Lust am Eigenen zu vergessen: Zwei Autounterstände als Holzpavillons markieren an der Strasse die neue Adresse.

Ein Einfamilienhaus in der Forch bauten die Architekten um und fügten im Hausteil aus den 1980er-Jahren eine neue Treppe ein. (Foto: Beat Bühler)

Zwei Carports geben den beiden Hausteilen an der Strasse eine neue Adresse. (Foto: Beat Bühler)

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