Patrick Jaeger und Ariel Koechlin: Die zwei Basler bauen von Bern bis zum Bodensee. Fotos: Jaeger Koechlin

Hartnäckig und detailfreudig

Jaeger Koechlin aus Basel machen Architektur vom Freiraum bis zum Möbel. Darum sagen die Anfangsdreissiger auch mal Nein.




«2017 war aufregend», sagt Ariel Koechlin. Er und sein Büropartner Patrick Jaeger sind frischgebackene Familienväter. Dazu kamen drei Ausführungsprojekte: eine kernsanierte Villa in Basel, eine Wohnhauserweiterung in Bern und eine Schule in Rorschacherberg am Bodensee.

Auf dem Weg in die Ostschweiz erzählen die beiden, wie sie 2013 den offenen Wettbewerb für das Schulhaus gewonnen haben. Es war ihr zweiter Wettbewerb, und siebzig Büros hatten teilgenommen. Heute arbeiten Jaeger Koechlin Architekten mit zwei Angestellten und schwankender Praktikantenzahl in einer ehemaligen Seidenfabrik gleich hinter dem Basler Bahnhof SBB. Anfangs organisierten sie häufig Ausflüge und Bürovorträge – sie sprechen von «Atelieratmosphäre» –, dann wurde die Zeit dafür knapper. So weit, so Jungbüro.

Aufwendige Konstruktion, klare Raumfolge
Später laufen wir von der Busstation zur Schulanlage von Rorschacherberg hinauf. Nach ein paar Kurven begrüsst uns ein winziges Betonhäuschen ohne Fenster: der Geräteschuppen des neuen Pausenplatzes. «Der Beton war an der Dorffasnacht das Thema Nummer eins», sagt Patrick Jaeger grinsend, «doch der Gemeindepräsident verglich das Häuschen mit Cindy Crawfords Muttermal – einem Makel, der das Ganze aufwertet.»

Neben dem Betonhäuschen steht das neue Schulgebäude stras­sen­be­glei­tend an der ­Hangkante, ein Holzbau mit Schmetterlingsdach. Hinter einem Gewand aus Lärche und hohen Fenstern steckt eine vorfabrizierte Fichtenkonstruktion. Auf den Betonsockel im Terrain folgten die Wände und Innenstützen, dann die Fenster und Dachelemente, schliesslich die Aussenstützen. Die Fassade ist doppelschalig, und auch das Dach ist mit Doppelsparren konstruiert. «Damit die Struktur filigraner wirkt», sagt Ariel Koechlin.

So aufwendig wie die Konstruktion, so klar ist die Raumfolge: Von der Strasse führen ein paar Stufen auf die umlaufende Laube mit Terrasse zum Pausenhof. Anschliessend betritt man das abgewinkelte Foyer entlang der gesamten Strassenfassade. Durch die Nebenraumschicht führen tiefe Durchgänge – die abgehängte Decke verteilt hier die Haustechnik – in die Haupträume. Dort faltet sich das Dach zum Bodensee hin auf. Der Seefassade entlang sind Lernatelier, Mittagstisch und Kindergarten verbunden. «Immer wieder sollten wir die Enfilade einsparen», sagt Koechlin, «bis wir anboten, die Türen von unserem Honorar zu bezahlen, was zwar nicht passierte, aber das Thema beendete.» Wie so oft zahlte sich Hartnäckigkeit aus.

Im Detail gibt es viel zu entdecken: Die Nebenräume sind farbig gestrichen oder gefliest. In den Haupträumen bilden gelenkig befestigte Lampen einen Horizont unter dem Dach. Unter den Garderobenbänken finden sich lederne ‹Finkefächli›. Freudig präsentiert Patrick Jaeger das Spiel­möbel, das den Kindergarten zoniert. Der Jungvater erzählt von zahllosen Varianten und erklärt die karminrote Farbe, die Stützen mit abstrakter Basis und Kapitell, Sitzbank, Nische und Küche. Alles in kindergerechtem Massstab. Die Bauleitung mitsamt Umgebung haben die zwei wie bisher immer im Büro behalten – und mit 4,4 statt geschätzten 4,7 Millionen Franken abgeschlossen.

Das Büro als wichtigstes Projekt
2017 war turbulent. «Ruhiger wird es kaum», sagt Ariel Koechlin und erzählt: von Neubauten für ein Mehrfamilienhaus in Liestal und für ein Einfamilienhaus in Arlesheim, von einer Reihenhaus-Erweiterung in Muttenz und einem Stadthaus-Umbau in Bern. Alles Direktaufträge. Ob sie jede Anfrage annehmen? «Nein, es muss schon passen», sagt Koechlin entschieden, «schliesslich ist das Büro selbst unser wichtigstes Projekt.»


In der Rubrik ‹Wilde Karte› präsentieren Hochparterre und Velux jedes Jahr vier ausgewählte Architekturbüros, deren Gründer unter 40 sind. Am 25. Oktober wetteifern die vier Büros im Zürcher Architekturzentrum um einen Platz bei einem eingeladenen Architekturwettbewerb.

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