Denn sie sind jung und brauchen den Wettbewerbsplatz. (Foto: Agnes Schmid)

Comte/Meuwly gewinnen die Wilde Karte 2019

Nach anderthalb Stunden mit Projekten, Fragen und Antworten, war klar: Die zwei Romands mit dem experimentierfreudigsten Zugang sind die Wildcard des Jahres. Félicitations!

18 Uhr im Zentrum Architektur Zürich. Die grosse Halle, in der sich wohl um die achtzig Personen versammelt hatten, könnte ein Gemeindesaal sein. Die Stimmung war allerdings weder andächtig noch ausgelassen. Schliesslich ging es um etwas, um die ‹Wilde Karte› 2019 nämlich: Drei Winterthurer Genossenschaften hatten die Chance mitgebracht, 120 Wohnungen neu und eine denkmalgeschützte Busdepot-Shedhalle zum Quartierszentrum umzubauen, mit Kindergarten, Werkstätten, Gastronomie und Büros.

Der Reihe nach präsentierten sich die vier Nachwuchsbüros, von denen eines den Wettbewerbsplatz ergattern sollte, und stellten sich den Fragen der sechsköpfigen Jury. Ob sie denn bereit seien für ein solch grosses Projekt, war die naheliegendste, schliesslich projizierten die Nachwuchsbüros naturgemäss vor allem kleinere Um- oder Anbauten an die Wand. Die Antwort war klar: Natürlich, darum sind sie ja da!

Lukas Raeber aus Basel erklärte seine stringenten Projekte und erwiderte auf den Vorwurf der Farbfeigheit: Materialwahrheit! Comte/Meuwly aus Genf und Zürich präsentierten Entwurfsstrategien zwischen Narration, aneignungsfähigem Strukturbau und einer vom Alltag inspirierten Ökonomie der Mittel. Romina Grillo zeigte eine skulptural erweiterte Villa und ein genossenschaftliches Wettbewerbsprojekt in München. Luna productions schliesslich sprachen einfühlsam über Gemeinschaft und Zwischenräume und verrieten, dass Luna für die zwei Vornamen Lukas und Nadia steht.

Die Fragen der Jury waren vielfältig: Ob Architekten politisch genug seien? Luft nach oben. Was sie von der postfossilen Zukunft hielten? Solange sie «die Architektur» nicht einschränke. Die dümmste Norm? Keine Ahnung. Labels? Lieber nicht. Et cetera. Klar wurde wieder einmal: Schweizer Architekten interessieren sich vor allem für Räume und Materialien. Der social turn, Architektur als Prozess und gesellschaftliche Debatte, als Avantgarde gar? Ist in der Wohlstandsschweiz sekundär, auch bei Dreissigjährigen.

Einzig Luna productions sprachen über das Zusammenleben und -arbeiten. So war es wenig erstaunlich, dass sie in der Jurydiskussion weit vorne lagen. Letztlich war man sich aber einig: Mit ihren soliden Bauten und ihrer Haltung würden sie auch via Präqualifikation in den Wettbewerb gelangen. Die zwei Romands, die jüngsten im Feld mit der kleinsten Bauerfahrung und dem experimentierfreudigsten Zugang, seien die wahre Wildcard. Und so wurden sie es. Félicitations!

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