Das Bündner Naturmuseum ist ein Spätwerk Bruno Giacomettis und soll erweitert werden. Der Wettbewerb ist entschieden. Das erstplatzierte Projekt setzt auf skulpturale Überformung.
Überformung oder Addition?
Das Bündner Naturmuseum ist ein Spätwerk Bruno Giacomettis und soll erweitert werden. Der Wettbewerb ist entschieden. Das erstplatzierte Projekt setzt auf skulpturale Überformung.
Fotos: Nachlass Bruno Giacometti / Foto Vonow und Architekturbüros
Im Jahr 2018 gab das Hochbauamt Graubünden beim Architekturhistoriker Leza Dosch ein Gutachten in Auftrag. Dieses attestiert dem Naturmuseum nationale Bedeutung. Auf kantonaler Ebene ist das 1981 eingeweihte Museum von Bruno Giacometti zurzeit jedoch nicht unter Schutz gestellt. Es gilt als regional bedeutend (B-Objekt gemäss Kulturgüterinventar), was bei Planungen angemessen zu berücksichtigen sei. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie im Rahmen einer umfangreichen Erweiterung, wie sie der selektive Projektwettbewerb fordert, mit dieser architekturhistorischen Einordnung umgegangen werden soll.
Strategien des Weiterbauens Die acht Beiträge lassen sich zwei Strategien des Weiterbauens zuordnen. Sieben Projekte begegnen dem Bestand ‹ehrfürchtig› und versuchen, ihn mit ablesbaren, additiven Eingriffen weiterzuentwickeln – mehr oder weniger im Geist seines Schöpfers und dessen funktionalistischen Habitus. Zwei dieser Projekte respektieren das Äussere des Museums als ‹vollendet› und erweitern daher ‹unsichtbar› in den Untergeschossen. Die anderen fünf Projekte verfolgen eine selbstbewusstere Additionsstrategie mit sichtbaren Anbauten oder Aufstockungen, um dem Gebäude städtebaulich mehr Präsenz zu verleihen. Auch das siegreiche Projekt der Arbeitsgemeinschaft Noun und SERA – Studio Esch Rickenbacher Architektur ist von diesem Willen getragen. Im Unterschied zu den übrigen Beiträgen setzt es jedoch als Einziges auf eine Überformung und verschleift Neu und Alt. ###Media_2### Der gedrungene Bestandsbau wird zu einem hohen, kristallinen Volumen transformiert, das seine Präsenz im Strassenraum steigern soll. Entgegen dem formulierten Anspruch der Verfasser*innen, das Museum stärker zu öffnen – also mehr Vitrine, weniger Schutzbau –, vermittelt die Visualisierung aber eher das Gegenteil. Der nachvollziehbare Wille zur Öffnung ist b...
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