Mehr Kritik wagen

Die Stadt Zürich setzt für das Hochhaus an der Thurgauerstrasse auf den offenen Wettbewerb. Die grosse Resonanz bleibt aus. Doch ein mutiger Beitrag gewinnt mit Kritik am Gestaltungsplan.

Fotos: Matthias Gnehm

Die Stadt Zürich setzt für das Hochhaus an der Thurgauerstrasse auf den offenen Wettbewerb. Die grosse Resonanz bleibt aus. Doch ein mutiger Beitrag gewinnt mit Kritik am Gestaltungsplan.

Zuletzt vergrub die Stadt Zürich noch eifrig Sporthallen, um das Netto-Null-Ziel zu erreichen. Nun schickt man sich an, auch Hochhäuser über den immer gleichen Nachhaltigkeitskamm zu scheren. So die Befürchtung auch bei der Lektüre des Programms für den Projektwettbewerb für das Baufeld A an der Thurgauerstrasse in Zürich-Seebach. Ob es an den jüngsten Juryentscheiden bei Stadtzürcher Wettbewerben oder am sperrigen Titel ‹Gesundheitszentrum und Alterswohnungen Thurgauerstrasse› lag, dass nur 54 Büros am offenen (!) Verfahren teilnahmen? Wie sonst ist zu erklären, dass so viele Teams die Chance ausliessen, mit nur vier A 0-Plänen ein Projekt für CHF 113 Mio. (BKP 1–9) zu akquirieren?  Ein offener, wunderbar niederschwelliger Wettbewerb ohne Präqualifikationsgedöns – ohne die Hürde, Referenzen für Hochhausprojekte nachweisen zu müssen – erfährt hier deutlich zu wenig Zuspruch bei der Architektenschaft. Zumal die Zusammensetzung der Jury keinen Zweifel am Anspruch eines qualitätssichernden Verfahrens aufkommen lässt. Es ist schon irritierend, wie wenig Resonanz das hohe Gut des offenen Wettbewerbs in dieser spannenden Konstellation von Typologie und öffentlicher Ausloberin auslöst. Denn es geht um einen Hochhausentwurf – eine seltene, äusserst reizvolle Aufgabe. Und für viele Architekt*innen eine attraktive Herausforderung, die fast nie so mühelos zugänglich ist. Der ‹öffentliche Gestaltungsplan Thurgauerstrasse› (öGP) sieht eine etwas formal anmutende Grammatik für die Baufelder A bis F vor: niedrige, liegende Sockelbauten und bis zu 70 Meter hohe, stehende Volumen. Für das Baufeld A als südlichen Auftakt für das neue Quartier sieht der Wettbewerb ein ‹Gesundheitszentrum für das Alter› (GFA) – neudeutsch für Alters- und Pflegeheim – und zahlreiche Wohnungen für die ‹Stiftung Alterswohnungen der Stadt Zürich› (SAW) vor...

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