Lahme Ente oder stolzer Pfau?

Das Zürcher Schauspielhaus leidet an seinem Saal. Wegen der historischen Bedeutung durften die teilnehmenden Teams ihn im Wettbewerb kaum antasten. Umso mehr Gestaltungseifer bekamen die Foyers ab.

Fotos: Juliet Haller

Das Zürcher Schauspielhaus leidet an seinem Saal. Wegen der historischen Bedeutung durften die teilnehmenden Teams ihn im Wettbewerb kaum antasten. Umso mehr Gestaltungseifer bekamen die Foyers ab.

Die Verhältnisse am Zürcher Heimplatz erinnern an jene, die Karl F. Schinkel vor gut 200 Jahren beim Schauspielhaus in Berlin vorfand. Wegen klammer Finanzen musste es auf den Fundamenten des Vorgängerbaus errichtet werden und der Saal deshalb vergleichsweise klein ausfallen. Friedrich Wilhelm III. soll beim ersten Rundgang durch das alt-neue Haus zum Architekten gesagt haben: «Ach, ein Theaterchen hat Er noch eingebaut. Das ist aber nett von Ihm.» Erinnerungsort bewahren Auch das Zürcher Schauspielhaus, der sogenannte «Pfauen», ist – nett gesagt – ein gebautes Konglomerat oder – weniger nett gesagt – eine Bastelei. Seit mehr als 130 Jahren kommt eines zum andern, reparierender- und überformenderweise, oder wie man heute sagt: Es wurde optimiert. Aber all diese Umbauten konnten ein zentrales Problem nicht lösen, nämlich jenes des Saales selbst, wo eine tiefe Bühne auf einen breiten Zuschauerraum trifft, mit dem Resultat, dass die Sichtachsen alles andere als optimal sind. Weiterer Nachteil: Da die Bühne klassisch als «Guckkasten» konzipiert ist, sind die inszenatorischen Möglichkeiten eingeschränkt. Schon in den Sechzigerjahren suchte man deshalb den Befreiungsschlag und schrieb einen Wettbewerb für einen Neubau aus. Jørn Utzon, dessen Opernhaus in Sydney gerade im Bau war, gewann zwar das Verfahren, scheiterte aber mit der Umsetzung seines Projekts, das am Ende ein, zwei Nummern zu gross war.  Vor einigen Jahren folgte ein neuer Anlauf: Aus dem Befreiungsschlag wurde ein Befreiungsschläglein. Der historische Saal sollte an Ort und Stelle einem Ersatzneubau weichen. Aus der aufwallenden Empörung gingen die Bewahrer*innen schliesslich siegreich hervor. Vor allem mit dem Argument, dass der Saal ein Stück europäische Theatergeschichte verkörpere, war er doch in den Dreissiger- und Vierzigerjahren als Emigrationstheater der bedeutendste Aufführungsort i...

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