Zum Platz treppt die Siedlung um zwei Geschosse ab.

Zwei Höfe ersetzen

Die Genossenschaften BEP und ABZ wollen ihre Siedlungen an der Seebahnstrasse in Zürich ersetzen. Nach Harder Spreyermann gewinnen Müller Sigrist Architekten den Studienauftrag für den zweiten Hof.

Die Baugenossenschaft des eidgenössischen Personals Zürich BEP und die Allgemeine Baugenossenschaft Zürich ABZ planen, ihre beiden 90-jährigen Siedlungen an der Seebahnstrasse zu ersetzen. Für das Projekt «Seebahnhöfe» spannen die Genossenschaften darum zusammen. Im Januar 2014 gewannen Harder Spreyermann Architekten mit dem Landschaftsarchitekten Martin Klauser den Wettbewerb für den Neubau der BEP. Nun ist auch der Studienauftrag für den Ersatz der ABZ-Siedlung Kanzlei entschieden.

Müller Sigrist Architekten und Westpol Landschaftsarchitektur überzeugen die Jury mit einem klaren Blockrand. An der Seebahnstrasse betonen die Architekten das Volumen siebengeschossig. An den Stirnseiten treppt die Fassade auf fünf Geschosse ab und wendet sich an der Ecke dem Anny-Klawa-Platz zu. «Folgerichtig ist das Café an diesem Ort im Erdgeschoss angeordnet», schreibt die Jury. Entlang der Strasse planen die Landschaftsarchitekten Vorgärten, im Hof sehen sie eine ruhige Rasenfläche mit umlaufenden Betonelementen vor. An den Seiten sind die Wohnungen dem Volumen folgend um ein halbes Geschoss versetzt angeordnet. «Die durchgesteckten Wohnungen sind sorgfältig proportioniert», urteil die Jury. Konstruiert ist das Gebäude in Mischbauweise mit Betonkernen und einer Fassade aus Holzelementen. Ein Sockel fasst das Erdgeschoss zusammen, darüber stehen die Fenster zwischen Lisenen. So knüpfe die Fassade quartiertypische Gestaltungsmerkmale auf, schreibt die Jury.

Der Abbruch beider Siedlungen ist umstritten, wie der «Tages-Anzeiger» 2012 berichtete (siehe PDF). Der Stadtrat will die Bauten aus dem Inventar der schützenswerten Bauten entlassen, was der Architekturhistoriker Hans Jörg Rieder nicht akzeptieren kann. Die Siedlungen seien Zeugen der Zürcher Sozialgeschichte. Auch die ehemalige Präsidentin der ABZ, Christina Guler, wehrte sich im Artikel: «Wir lassen diese Zeugen der Arbeitergeschichte nicht einfach zerstören, ohne dafür zu kämpfen», sagte sie gegenüber dem «Tages-Anzeiger». «Wir haben den Ersatzneubau reiflich überlegt», entgegnet Samira Courti, Kommunikationsleiterin der ABZ. «Die Machbarkeitsstudie ist zum Schluss gekommen, dass ein Umbau zu keiner guten Lösung führt.» Die Wohnungen wären zu klein oder zu gross geworden, die Erdbebensicherheit nicht gewährleistet und der Lärmschutz an der Seebahnstrasse ungenügend gewesen, so Courti. «Kurz, die strukturellen Defizite wären nicht behoben worden und die Mieten wären trotzdem auf ein vergleichbares Niveau wie bei einem Neubau gestiegen.» Als nächstes entscheiden die Genossenschafter an der GV, ob der Hof ersatzneugebaut werden soll.

Wohnsiedlung Kanzleistrasse, Zürich
Studienauftrag auf Einladung mit acht Teilnehmern für die ABZ
Fachjury: Jeremy Hoskyn, Christoph Rothenhöfer, Julia Sulzer, Miroslav Šik, Beat Rothen, Christoph Schubert, Anne Kaestle (Ersatz).
– Weiterbearbeitung: Müller Sigrist Architekten, Zürich, mit Westpol Landschaftsarchitektur, Basel
Weitere Teilnehmer:
– Gigon/Guyer Architekten, Zürich, mit Schmid Landschaftsarchitekten, Zürich
– Ernst Niklaus Fausch Architekten, Zürich, mit Mavo, Zürich
– Burkhalter Sumi Architekten, Zürich, mit Maurus Schifferli Landschaftsarchitekten, Bern
– ADP Architekten, Zürich, mit Brühlmann Loetscher Architekten, Zürich, und Noa Landschaftsarchitektur, Zürich
– Jessenvollenweider Architektur, Basel, mit August + Margrith Künzel Landschaftsarchitekten, Binningen
– Lütjens Padmanabhan Architekten, Zürich, mit Bryum Landschaftsarchitektur, Basel
– Armon Semadeni Architekten, Zürich, mit Mettler Landschaftsarchitekten, Gossau

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