Aussenbild (Visualisierung: www.obra.ch)

Wie man es heute so macht

Gähler Architekten gewinnen den Wettbewerb für eine neue Schulanlage in Wittenbach. Mit einem Griff in die Werkzeugkiste des Modernen Schulhausbaus schafft das Projekt die vom Auslober gewünschte Einheit der Teile.


Die sankt-gallische Vorortgemeinde Wittenbach braucht ein neues Schulhaus, einen neuen Kindergarten und eine neue Dreifach-Turnhalle. Eine Herauforderung des Wettbewerbs bestand darin, dass der Auslober zwar eine zusammenhängende Anlage wünschte, dass die Schulbauten und die Turnhalle aber als unabhängige Volumen projektiert werden mussten.

Das prämierte Projekt von Gähler Architekten aus St.Gallen schafft die gewünschte Einheit mit einem Griff in die Werkzeugkiste des Schulhausbaus Alfred Roth'scher Prägung: Gedeckte Wege verbinden auf Erdgeschossniveau die nach Nutzungen getrennten einzelnen Volumen. Die etwas in die Jahre gekommen Typologie funktioniert erstaunlich gut: Das Schulareal gliedert sich in unterschiedliche Aussenräume mit je eigener Stimmung und Massstäblichkeit, während auf betrieblicher Ebene eine sinnvolle Verknüpfung der verschiedenen Angebote geschaffen wird.

Was von der Anlage her als zeitgemässe Interpretation des «Neuen Schulhauses» der Moderne gelten kann, erweist sich mit Blick auf Grundrisse und Fassaden als solide, aber recht konventionelle Angelegenheit. Das um einen zentralen Treppenhof organisierte Schulgeschoss braucht an dieser Stelle keine weitere Erklärung – man kennt es aus vielen anderen Beispielen. Dasselbe gilt für das Fassadenbild. Sicher hat die Jury nicht unrecht, wenn sie schreibt, das Projekt sei «sorgfältig durchgearbeitet» und die Fassaden entsprächen einer «angemessenen Erscheinung für eine Schul- und Sportanlage». Nur heisst «angemessen» halt auch: wie man es heute so macht. Und das ist nicht unbedingt frischer als zu Alfred Roths Zeiten.

Schulhaus Grüntal, Wittenbach (SG)
Selektiver Generalplaner-Projektwettbewerb für die Primarschulgemeinde Wittenbach
Fachjury: Thomas Meister, Kay Kröger, Andreas Hagmann, Heidi Stoffel
– 1. Rang: Gähler Architekten, St. Gallen
– 2. Rang: Darlington Meier Architekten, Zürich
– 3. Rang: ARGE Finger Architekten und Giger Eggel, St. Gallen
– 4. Rang: Waeber / Dickenmann Architekten, Zürich

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