Das Siegerprojekt: Blick von einer Loggia Fotos: Volker Bienert

Wettbewerb für das Rütibühl-Heim in Herrliberg: «Ein einfaches Haus»

Volker Bienert gewinnt den Wettbewerb für das Rütibühl-Heim in Herrliberg, einem Wohn- und Arbeitsort für 31 Frauen mit einer geistigen Behinderung. Er beantwortet unsere drei Fragen.


Was ist die Erfindung am Siegerprojekt?


Volker Bienert: Die Lösung der im Wettbewerb gestellten Aufgabe lag in der Beschränkung der verwendeten Mittel. Das Konzept für den Ersatzneubau des Heim Rütibühl sieht eine lapidare Stapelung der unterschiedlichen Nutzungsbereiche in einem drei- bis viergeschossigen kompakten Gebäude in topografisch anspruchsvoller Situation vor. Über einem Sockelgeschoss mit den Tages- und Beschäftigungsstrukturen für die Heimbewohnerinnen liegt das öffentliche Erschliessungsgeschoss mit den Räumen für die Therapie, dem grossen Mehrzwecksaal, dem Foyer, dem Empfang und den Büros der Heimleitung, der Küche, der Cafeteria und der Aussenterrasse. In den beiden Obergeschossen liegen je zwei Wohngruppen und die Dienst- und Bereitschaftszimmer am zentralen Treppenhaus. Dieses Konzept ermöglicht einerseits eine hohe Effizienz in Betrieb und Unterhalt, andererseits führt die Stapelung der Raumgruppen zu einer klaren Zonierung der unterschiedlichen Lebensbereiche der Bewohnerinnen und entspricht somit dem Tagesablauf in ihrem Alltag.


Wie verhält sich das Projekt zur Umgebung?

Der Standort des Heims ist landschaftlich exponiert. Während im Südwesten von der Aussicht über den Zürichsee, auf Albis und Alpenpanorama profitiert wird, grenzen im Nordosten freie Ackerflächen und der nahe Höhenzug des Pfannenstiels an. Das Projekt für den Neubau des Heim Rütibühl orientiert sich gleichermassen auf beide Seiten, und bildet dabei doch höchst unterschiedliche Aussenräume: Im Nordosten, der häufigen Bise ausgesetzt, befinden sich die Parkplätze für die Besucher, die Vorfahrt, der öffentliche Zugang und somit die eigentliche Adresse des Heims. Auf der süd-west-orientierten, vor Wind geschützten Sonnenseite können die Bewohnerinnen und Gäste über eine Terrasse in den weitläufigen Garten gelangen, der zum Spazieren und Verweilen einlädt. Mit der geschlossenen Form eines Hauses mit einem Hauptgiebel und zwei Nebengiebeln wird ein zurückhaltender Auftritt im Landschaftsraum gewählt, der den Ort atmosphärisch ergänzt und auszeichnet, aber nicht zu dominieren sucht

Wo lagen die grössten Schwierigkeiten im Wettbewerb?

Wie so oft lag die grösste Herausforderung darin eine stimmige Bauform zu finden, die dem besonderen Ort und der spezifischen Nutzung gleichermassen gerecht wird. Das Bild eines einfachen Hauses am Waldrand stand am Anfang der entwurflichen Auseinandersetzung mit der Aufgabe. Die bauliche Gestalt sollte ohne Künstlichkeit und allfälliger Begleitarchitektur auskommen. Ein Haus mit Sockel an aussergewöhnlicher Lage. Ein Haus, das die diffizilen Anforderungen des bestehenden Gestaltungsplan souverän zu überspielen weiss. Ein ebenso ruhiges architektonisches, wie zeitloses Bild eines Hauses in der Landschaft. Oder anders gesagt: «Une Maison, sinon rien.»

Heim Rütibühl, Herrliberg

Projektwettbewerb im offen Verfahren mit 14 Teilnehmern für den Verein Heim Rütibühl, Herrliberg

1. Rang: Volker Bienert, Zürich; Mitarbeit: Alma Braune, Johannes Schäfer; Modellbau: Gruber Forster Modellbau, Zürich

2. Rang: Preza Pajkic, St. Gallen

3. Rang: Felber Keller Lehmann, Zürich

4. Rang: Pfister Schiess Tropeano, Zürich

5. Rang: Günter Baum & Bruno Schlagenhauf, Düsseldorf

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