Visualisierung

Weiterbauen im Gebirg

Weder High-Tech noch expressive Archaik: Ein unscheinbares Projekt gewinnt den Wettbewerb für die Erweiterung der Albert-Heim-Hütte in den Urner Alpen.

Berghütten sind nicht nur bei Wanderern, sondern auch bei Architekten beliebt. Es ist eine Entwurfsaufgabe von besonderem Reiz, wenn auch Gore-Tex- und Outdoor-Gepflogenheiten den ästhetischen Idealvorstellungen in Wirklichkeit gerne ein Schnippchen schlagen. Das einsame Haus im Gebirg, das Wind und Wetter trotzt, befördert die architektonische Einbildungskraft, es geistert variantenreich durch Architekturschulen und Coffee-Table-Books, zeigt sich einmal als steinerne Urhütte, einmal als gleissender Kristall, ein andermal als autarkes UFO. Vor nicht allzu langer Zeit stand zusätzlich die «sece Kiste» zur Auswahl, aber wie man weiss, ist diese ein wenig aus der Mode gekommen.
Auch beim Wettbewerb für die Erweiterung der Albert-Heim-Hütte, einem Bauwerk der SAC-Sektion Uto in den Urner Alpen, war das Spektrum der Lösungsvorschläge breit. Eine spektakuläre ikonische Architektur mochte indes keines der teilnehmenden Teams feilbieten, was wohl nicht zuletzt dem Umstand geschuldet ist, dass die ursprüngliche Hütte 2014 ins kantonale Schutzinventar aufgenommen wurde. Angezeigt war deshalb ein behutsamer Umgang mit dem Bestand, der über drei Bauetappen bis ins Jahr 1918 zurückreicht. Rückgebaut wurde in den meisten Projekten die jüngste Erweiterung aus dem Jahr 1970, so auch im prämierten Entwurf von Leutwyler Partner Architekten. Ihr neuer Erweiterungsbau ist in den Grundzügen der alte, aber die Architekten haben ihn in die Länge und in die Höhe gezogen und so den Weg für eine geschickte Neuorganisation im Innern frei gemacht. Das Dach der bestehenden Baukörper heben sie minimal an und verschmelzen es mit dem neuen Anbau, so dass die denkmalgeschützte Hütte von 1918 vollständig in das neue Volumen integriert wird. Auch die Materialisierung in Naturstein soll im Neubau weitergeführt werden. Das Preisgericht liess sich vom «ruhigen und unaufgeregten» Projekt überzeugen. Aus der Verschmelzung von Alt und Neu entstehe «ein neue Einheit, ein neues Ganzes», schreibt die Jury lobend, auch wenn ihr nicht entgangen ist, dass – trotz oder gerade wegen der Unscheinbarkeit der baulichen Ergänzung – das «bestehende Schutzobjekt in seiner Grundgestalt nicht mehr als solches wahrgenommen wird».

Umbau und Erweiterung Albert-Heim-Hütte
Projektwettbewerb im Einladungsverfahren für die SAC-Sektion Uto
Fachjury: Nicola Baserga, Artur Bucher, Ulrich Delang, Jürg Hiltbrunner, Thomas Strickler
– 1. Rang: Leutwyler Partner Architekten, Baar
– 2. Rang: Durisch + Nolli Architetti, Massagno
– 3. Rang: Map Architektur + Planung, Dieter Schlatter, Wallisellen
– 4. Rang: ARGE horisberger wagen architekten, stehrenbergerarchitektur, Zürich
– 5. Rang ex aequo: Gion A. Caminada, Vrin
– 5. Rang ex aequo: Architektur Baumann, Margrit Baumann, Altdorf

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