Lernlandschaft unter Sheddach: Campus Pôle Santé von Atelier Jordan und Comamala Ismail architectes (Visualisierung: Camera Picta)

Von Wissensfabriken und Bautraditionen

Im Schatten der Deutschschweizer Architekturszene gewinnen Comamala Ismail architectes aus Delémont Wettbewerb um Wettbewerb. Pragmatisch antworten sie auf unterschiedlichste Programme und Kontexte.

Im Schatten der Deutschschweizer Architekturszene gewinnen Comamala Ismail architectes aus Delémont Wettbewerb um Wettbewerb: Letzen Monat beispielweise waren es die Schulanlage Rütti in Gstaad und der Campus Pôle Santé, ein Unterrichtsgebäude für die Abteilung Gesundheit der Walliser Fachhochschule, in Sion. Beide Wettbewerbe waren offen ausgeschrieben, den letzteren haben Comamala Ismail architectes in Arbeitsgemeinschaft mit Frédéric Jordan vom Atelier Jordan erarbeitet. Im Dezember letzten Jahres hatten Comamala Ismail bereits den ersten Preis für das Gemeindezentrum und eine Schulerweiterung in Ried-Brig gewonnen (ebenfalls ein offener Wettbewerb), etwas weiter, aber nicht sehr weit zurück liegen die Auszeichnungen für die Sporthalle in Vernayax (wieder mit Atelier Jordan) oder für die Überbauung des Postareals in Delémont.

Die Erfolge des Delsberger Büros passierten unauffällig, vom Szenefieber und Architekten-Who-is-who der Achse Zürich-Basel fast unbemerkt – auch wenn das Architekturbüro von Frédéric Jordan, mit dem die Partner Diego Comamala und Toufiq Ismail-Meyer häufig zusammen arbeiten, in Zürich beheimatet ist.

Unauffällig ist in vielen Fällen auch ihre Architektur, die Handschrift ist hier weniger wichtig als die Einfühlung in Ort und Aufgabe: Man antwortet auf die Erfordernisse des Programms, bleibt über weite Strecken pragmatisch, vernachlässigt aber nicht den architektonischen und ortsbaulichen Anspruch. 

In Gstaad schlagen Comamala Ismail als Erweiterung des historischen Schulhauses aus den 1920er-Jahren zwei Baukörper vor, die sich sowohl im Massstab wie auch in der Volumetrie als Fortschreibung des Kontextes verstehen. «Die vorgeschlagene Bauweise – Sockelgeschoss in Massivbauweise und die Obergeschosse in vorgefertigter Holzbauweise – verankern die neuen Gebäude auf pragmatische und zeitgenössische Art in die bestehende Bautradition», heisst es dazu im Jurybericht. «Den Projektverfassern/innen gelingt es mit ortsüblichen Referenzen, Motiven, Materialwahl, Pragmatismus und der gewählten Bauweise ein öffentliches zeitgenössisches Gebäude in das bestehende Dorfbild zu integrieren.» Wenn die Grundrisstypologien des Weiteren «klar strukturiert», das Tragkonzept «bewährt und nachvollziehbar», die Organisation «selbstverständlich und naheliegend» und die Erschliessungsflächen schliesslich «sehr effizient» sind, dann handelt es sich um Qualitäten, die auch auf andere prämierte Projekte von Comamala Ismail zutreffen.

Kontext heisst dabei nicht notwendigerweise lokale Bautradition: Der Campus Pôle Santé der Fachhochschule Wallis kommt neben das Spital von Sion zu liegen, eine Siebzigerjahre-Fantasie aus Beton mit Sockel und rundem Turm und Farbakzenten in Rot und Orange. Comamala Ismail entwerfen hier eine industriell anmutende «Wissensfabrik» mit zweigeschossiger Halle und zenital belichteten Räumen unter Sheddächern: eine sinnige Variation des von Thomas Fischer entwickelten Typus des «Fliegenden Klassenzimmers».

Dass auch bei diesem Projekt Organisation und Grundrisse «logisch und rational» sind, wie die Jury feststellt, versteht sich.

   

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