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Verschachtelt und verputzt

Brügger Architekten aus Thun gewinnen den Wettbewerb für das Alters- und Pflegeheim in Köniz. Die Putzfassade folgt dabei einem verbreiteten Trend.


Wegen der «teilweise prekären Wohnverhältnisse und baulichen Zustände» ihres Alters- und Pflegeheims in Köniz hat die lokale Betreiberein logisplus AG einen Ersatzneubau ins Auge gefasst. Das Bauvorhaben am Lilienweg besitze höchste Priorität, schreibt sie: die Situation sei sowohl für Bewohnenden wie für die Mitarbeiter nicht mehr tragbar. Ausserdem müsse das Angebot dringend auf 138 Heimplätze verdoppelt werden. Von einem eingeladenen Wettbewerb erhoffte sich die Ausloberein «positive, kreative Beiträge zum Thema Alters- und Behindertengerechtes Wohnen in einem stadtnahen Wohnumfeld».
Gewonnen haben Brügger Architekten aus Thun. Ihr Vorschlag teilt den Neubau auf vier unterschiedlich hohe Bauten auf, die über Eck miteinander verschachtelt sind. Damit gelinge eine lockere Bebauung und eine Anbindung an die Massstäblichkeit des Quartiers, schreibt die Jury. Zudem würden sich durch den volumetrischen Versatz interessante Aussenräume und eine gute Tageslichtversorgung ergeben. Insgesamt, so das Preisgericht, biete die Anlage «qualitätsvolle Räume und ein wohnliches Ambiente mit grossem Entwicklungspotential für BewohnerInnnen und Betrieb».
Der Massivbau soll mit einer Kombination von Glatt- und Rillenputzfassaden verkleidet werden. Seit Fickert und Knapkiewicz' «Überbauung Lokomtive» in Winterthur scheint dieses Gestaltungsmittel zum festen Repertoire der Schweizer Architektur zu gehören. Man kann damit an der verputzten Oberfläche die konstruktive Struktur sichtbar machen, die hinter der  Dämmschicht verschwunden ist. Oder einer uniformen Fassade künstlerisch zu mehr «Differenzierung» verhelfen. Weshalb unterschiedliche Putzarten aber ausgerechnet die «Plastizität der Volumen» unterstreichen sollen, bleibt im vorliegenden Fall ein Geheimnis des Juryberichts.

Neubau Alters- und Pflegeheim Lilienweg, Köniz (BE)

Selektiver Projektwettbewerb für logisplus AG
Fachjury: Stefanie Becker, Stefan Christ, Urs Indermühle, Fritz Schär, Christoph von Arx
– 1. Rang: Brügger Architekten, Thun mit extra Landschaftsarchitekten, Bern
– 2. Rang: Campanile & Michetti Architekten, Bern
– 3. Rang: Boegli Kramp Architekten, Fribourg
Weitere Teilnehmer:
– A. Furrer und Partner, Bern
– 123architekten, Biel
– Leismann Architekten, Biel

Ausstellung bis zum 21. August im Lichthof des Gemeindehauses Köniz.

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