Blick über Treppenanlage zum Kesselhausplatz

Testplanung Papieri-Areal in Cham

Albi Nussbaumer Architekten, Boltshauser Architekten und Appert und Zwahlen Partner gewinnen den Wettbewerb für die Testplanung des Papieri-Areal in Cham.

Das Industrieareal der Papierfabrik Cham liegt mitten im Siedlungsgebiet der Einwohnergemeinde Cham. Innerhalb der nächsten Jahre wird der Betrieb der traditionellen Papierproduktion an diesem Standort eingestellt. Die Cham Paper Group Schweiz AG beabsichtigt als Grundeigentümer das rund 11 Hektaren umfassende Industrieareal neuen Nutzungen zuzuführen und es als Wohn- und Arbeitsquartier zu entwickeln. Für die Testplanung wurden vier Teams eingeladen, gewonnen hat das Projekt von Albi Nussbaumer Architekten, Boltshauser Architekten und Appert und Zwahlen Partner. Der Projektentwurf sieht eine Verdichtung mit linear angeordneten Bauten entlang der Lorze, der Knonauerstrasse und dem Pavatex-Areal vor, durch welche ein innenliegender Raum formuliert wird. Dieser wird mit Bestandes- und Neubauten in Form von fünf Hochhäusern bespielt. Das Areal gliedert sich dadurch in drei Teile. «Die Volumen der traditionellen und dichten Stadt können neben der offenen ‹Stadt der Moderne› bestehen», schreibt die Jury im Schlussbericht. «Formen der gegenseitigen Bezugnahme unterschiedlicher Stadtauffassungen tragen zu einem überzeugenden und lebendigen urbanen Gefüge bei, das sich im Laufe der Zeit qualitätsvoll entwickeln kann. Die geforderten Nutzflächen sind intelligent auf dem Areal angeordnet und erzeugen so eine angemessene Dichte.» Das Freiraumkonzept überzeuge in seiner Umsetzung zwar noch nicht vollends, merkt die Jury an, doch erkenne sie das Potenzial zu einer stimmigen und ganzheitlichen Weiterentwicklung.

Testplanung Papieri-Areal in Cham, 2014
Testplanung auf Einladung mit vier Teams für die Cham Paper Group Schweiz AG
– Zur Weiterbearbeitung vorgeschlagen: Albi Nussbaumer Architekten, Zug / Boltshauser Architekten, Zürich / Appert & Zwahlen Partner AG, Landschaftsarchitekten, Cham
– Ohne Rangierung: Diener & Diener Architekten, Basel / Balliana Schubert Landschaftsarchitekten, Zürich / Gruner AG Bauingenieure und Planer, Basel
– Ohne Rangierung: Güller Güller architecture urbanism, Zürich Westpol Landschaftsarchitektur, Zürich Metron Bern AG, Bern
– Ohne Rangierung: KCAP Architects & Planners, Zürich / Rotterdam Vogt Landschaftsarchitekten, Zürich

Fachexperten:
– Marc Angélil, agps architecture, Zürich (Städtebau)
– Barbara Holzer, Holzer Kobler Architekturen, Zürich / Berlin (Städtebau)
– Massimo Fontana, Fontana Landschaftsarchitektur, Basel (Landschaftsarchitektur)
– Oscar Merlo, TEAMverkehr, Zug (Mobilität/Verkehrsplanung)
– Roland Stulz, Fachstelle für 2000-Watt-Gesellschaft, Zürich (Energie/Nachhaltigkeit)
– Brigit Wehrli-Schindler, Zürich, (Sozialräumliche Stadtentwicklung)

Zum Abschluss des Testplanungsverfahrens werden die Schlussabgaben der Teams in einer Ausstellung der Öffentlichkeit präsentiert. Diese wird vom 1. Juli bis 27. August 2014 in der Mandelhofhalle frei zugänglich sein.

Kommentare

Peter C. Jakob 15.07.2014 10:21
fragen über fragen eröffnen sich mir beim lesen ihres artikels: - ist ein testplanungsverfahren ein wettbewerb? - gibt es eine/einen sieger/in - können die teilnehmenden mit einem folgeauftrag rechenen? - amtet da eine jury oder ist es ein expertengremium? - ist die entschädigung an die teams kostendeckend oder eben wie im wettbewerb mit risiko behaftet? kürzlich gab es im Architekturforum in Zürich eine klärende veranstaltung zum thema testplanungsverfahren. es hat sich gezeigt, dass es notwendig wäre, die bisherigen erfahrungen aus diesen verfahren auszuwerten und entsprechende schlüsse daraus zu ziehen. aus dem artikel entnehme ich, dass auch dem hochparterre nicht klar ist, was eine testplanung eigentlich ist. jedenfalls ist der artikel mit wettbewerbe überschrieben woraus zu schliessen ist, dass es sich nicht um eine testplanung im eigentlichen sinne handelt. Hochparterre könnte dazu beitragen, transparent zu gemacht, welche erfahrungen die veranstalter und die teilnehmenden aus diesen verfahren gemacht haben. das wäre meines erachtens eine recherche wert!
Ivo Bösch, hochparterre.wettbewerbe 30.07.2014 20:10
Lieber Peter Wir sind uns der möglichen Probleme mit Testplanungen durchaus bewusst. Zu Deinen Fragen: In diesem Fall war das gewählte Verfahren laut Jurybericht eine «Testplanung in Form eines städtebaulichen Studienauftrags, angelehnt an die SIA-Ordnung 143». Die Büros standen also durchaus im Wettbewerb zueinander. Es war, wie Du richtig erkannt hast, keine Testplanung im eigentlichen Sinn. Das zur Weiterbearbeitung vorgeschlagene Team um Albi Nussbaumer und Roger Boltshauser wird seinen Beitrag nach den Sommerferien weiterbearbeiten und einen Masterplan erstellen – bezahlt. Es amtete ein Beurteilungsgremium unter der Moderation von Fritz Schumacher. Es beurteilte die Arbeiten im Dialogverfahren. Deine Anregung zur weiteren Recherche nehmen wir gerne auf. Die Testplanungen sind auf meiner Themenliste für mögliche Artikel jedenfalls weit oben. Es grüsst, Ivo
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