Caruos St John Architects setzen dem Neubau eine Krone auf: Visualisieurng des Siegerprojektes. Fotos: Caruso St John Architects

«Stadtkrone» oder «Krake»?

Caruso St John Architects gewinnen den Studienauftrag für das Wiesental-Areal in St. Gallen.

Um den Studienauftrag für das Wiesental-Areal in St. Gallen gab es einige Aufregung. Die einen wehrten sich grundsätzlich gegen das Vorhaben, die Villa Wiesental abzureissen. Andere protestierten, es seien zu wenige lokale Büros eingeladen worden. Nun steht der Sieger fest. Und dieser stammt weder aus St. Gallen noch aus der übrigen Schweiz: Das Londoner Büro Caruso St John Architects überzeugte die Jury einstimmig mit seinem Projekt «Stadtkrone». Fünf der acht Teilnehmer schlugen ein Hochhaus vor. Die Sieger entwerfen stattdessen ein «höheres Haus», wie es im Jurybericht heisst. Es besetzt den gesamten Bauperimeter des Areals. Über dem öffentlichen Erdgeschoss folgen vier Stockwerke mit Büros. Zuoberst springt das Gebäude zurück. Hier sind auf drei Geschossen fünf Wohnungen angeordnet. Die Jury spricht von einer «städtebaulich wie architektonisch beeindruckenden Lösung». Der kräftige fünfgeschossige Baukörper verzahne sich gut mit der Nachbarschaft. «Die drei Wohngeschosse treten als allseitige Bekrönung des Gebäudes in Erscheinung und verankern es sozusagen als Auftakt und Stadttor an Ort und Stelle.»

Der Veranstalter des Studienauftrags Wüest & Partner zeigt sich erfreut über das Resultat. «Die Arbeit besticht mit einer auf vielen Ebenen sensiblen, durchdachten und professionell durchgearbeiteten Lösung», heisst es in der Medienmitteilung. Das Projekt webe sich nicht nur in die bestehende Stadtstruktur ein, sondern entwickle diese weiter. Die Jury sei der Ansicht, dass das Projekt den Abbruch der Villa Wiesental rechtfertige. «Vielleicht wird sogar ein Haus gebaut, für dessen Erhalt sich die Denkmalpflege in 50 Jahren stark macht», blickt Wüest & Partner freudig in die Zukunft. Ganz anders tönt es beim Verein Pro Villa Wiesental, der das denkmalgeschützt Haus nach wie vor erhalten will. «Das Investorenprojekt nützt wie eine ‹Krake› jeden Quadratmeter der Parzelle aus», wettert der Verein. Die Planer hätten bewiesen, dass es ihnen lediglich um Gewinnmaximierung gehe. «Die Flächenvorgaben waren derart hoch, dass eine sanfte und innovative Kombinations-Lösung mit dem Erhalt der Villa gar keine Chance haben konnte.» Der Ball liegt nun beim Stadtrat. Dieser muss entscheiden, ob er die Villa aus dem Schutzinventar entlässt und das Neubauprojekt bewilligt.

Entwicklung Wiesental-Areal, St. Gallen

Studienauftrag mit acht eingeladenen Architekturbüros für die HRS Real Estate
– Weiterbearbeitung: Caruso St John Architects, Zürich/London; mit Conzett Bronzini Gartmann, Chur, Enerpeak Sazlmann, Dübendorf, Kalt + Halbeisen Ingenieurbüro, Zürich, Bakus Bauphysik & Akustik, Zürich
– Weitere Teilnehmer: Baumschlager Eberle, St. Gallen; Buchner Bründler, Basel; Burkhalter Sumi Architekten, Zürich; Gigon / Guyer, Zürich; Morger + Dettli Architekten, Basel; Staufer & Hasler Architekten, Frauenfeld; Thomas K. Keller AG, St. Gallen

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Kommentare

Gallus Hufenus 18.10.2012 22:54
Merkwürdige Vernissage in St. Gallen: Plötzlich waren HRS-Chef Paul Somm und Martin Hofer von Wüest & Partner wie vom Erdboden verschluckt. Leider haben sie den ganzen Abend den Interessierten nichts erklären wollen oder können. Anscheinend haben Spekulanten Leute mit sauberer, weisser Weste nicht so gern. Vielleicht ist man sich Kritik nicht gewöhnt? Oder haben HRS und Wüest & Partner das Interesse und die Lust an der Wiesental verloren?
peter 19.10.2012 11:08
Ich kenne die Situation vor Ort nicht, aber mein Eindruck ist: Zu gross, zu mächtig!
martin m. 20.10.2012 09:46
internationales allerwelts-geklotze, das den spekulanten gefällt. caruso st. john mischelt dutzendweise in der schweiz mit, ob der quantität scheint da die qualität verloren gegangen zu sein. egal. hauptsache es rentiert.
Michael Zwissler 21.10.2012 13:15
St.Gallen braucht dringend ein stadtplanerisches Konzept! Jeder einzelne baut vor sich hin, sind es Tiefgaragen, Schulen, Museen, "der Krake" oder der Busbahnhof alles nicht zu Ende gedacht. Zum Glück hat das Volk in der Vergangenheit eine klare Meinung, dass sollte dem Stadtrat zu denken geben. Das Gebiet um die Lokremise mit der Kreuzbleiche ist wie geschaffen als Naherholung- und Kultur-Raum. Dieser ist dringend nötig um die Stadt für Mieter artaktiv zumachen, den die Mieter sind es die den überdurchschnittlichen Wohnungsbestand senken, wie das andere Städte zeigen. Um die Villa Wiesental gibt es massig Potenzial für die Stadt dieses Quartier zu einer Kultur-Perle zu machen jetzt ist Zeit, wer macht mit?
Marco Mariotta 23.10.2012 15:40
Caruso St. John setzen oft Kronen auf. Auch in Ascona, "City crown" für den Kongress Zentrum
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