Mit seinen steinernen Säulen mag das Stadion an ein antikes Amphitheater erinnern, wie der Jurybericht suggeriert – oder auch einfach an ein Geschäftshaus aus dem «steinernen Berlin».

Stadion mit Tarnkappe

Das Preisgericht stimmte gegen eine klassische Fussballarena und für ein Projekt, das an ein Geschäftshaus erinnert. Es wird sich ins Quartier einfügen. Aber warum muss das Stadion die Tarnkappe aufsetzen? Ein Kommentar.

Stell dir vor Zürich hat ein neues Fussballstadion und keiner merkt’s. Hält man sich den langen Kampf und Krampf um den Stadionneubau vor Augen, ist das ein seltsamer Gedanke. Nicht so für die Wettbewerbsjury: Sie entschied sich für ein Projekt «mit einer Stadionnutzung, die man erst auf den zweiten Blick entdeckt». Das Projekt «Hypodrom» von Burkard Meyer Architekten, ist laut Jurybericht ein «markantes Gebäude, das Öffentlichkeit ausstrahlt», eine Grossform, die in der Jury auch «als Heim für die Spieler und ihre Fans» bezeichnet wurde. Mit seinen eng stehenden steinernen Säulen mag das Gebäude an ein antikes Amphitheater erinnern, wie der Jurybericht suggeriert – oder auch einfach an ein Geschäftshaus aus dem «steinernen Berlin» oder die projektierte Erweiterung des Zürcher Kunsthauses. Nach der ersten Runde gingen drei Projekte in die Überarbeitung, von denen sich am Ende zwei ein Kopf-an-Kopf-Rennen lieferten. Daraus ging das «Hypodrom» als Sieger hervor. Auf dem zweiten Platz landete das Projekt «Beletage» von Graber Pulver Architekten. Es ist eine klassische Fussballarena, wie wir sie aus zahlreichen Städten kennen. Der Jurybericht ist des Lobes voll: «Der Entwurf gefällt in seiner Gesamtheit», und bis auf einige «wirklich vernachlässigbare» Mängel sei nichts auszusetzen. «Der prägende gezackte Dachrand, die vorgehängte und abgespannte Metallnetzfassade sowie das auskragende Piano Nobile machen aus dem Vorschlag einen richtigen «Fussballtempel», analog den aktuell erstellten Bauten in Thun, Luzern oder Neuenburg» – wer dies liest, meint auf der Spur des Siegerprojekts zu sein. Aber eben, die Jury hat sich für das andere entschieden – und Schuld daran scheinen Thun, Luzern und Neuenburg zu sein. Denn durch die Beschränkung der Zuschauerzahl auf 19'500 fehle dem Gebäudevolumen die Kraft und Grösse, um als ikonisches Stadion zu best...
Stadion mit Tarnkappe

Das Preisgericht stimmte gegen eine klassische Fussballarena und für ein Projekt, das an ein Geschäftshaus erinnert. Es wird sich ins Quartier einfügen. Aber warum muss das Stadion die Tarnkappe aufsetzen? Ein Kommentar.

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