Aussenperspektive des Siegerprojekts Fotos: kit | architects

Rückzug in Raumklammern

kit architects gewinnen den selektiven Projektwettbewerb für ein Werkstattgebäude in Schönengrund. Andreas Schelling beantwortet unsere drei Fragen.



Was ist die Erfindung am Siegerprojekt?
Andreas Schelling: Die meisten Bewohner und Arbeiter der Stiftung Landscheide haben eine multiple Behinderung (geistig und psychisch). Auf die speziellen Bedürfnisse dieser Nutzer reagiert unser Projekt mit einer Struktur aus vier U-förmigen Betonklammern, welche die rechteckigen Grundrisse gliedern. Es entstehen drei unterschiedliche Raumtypen: Eine zentrale Erschliessung als Begegnungsraum, Atelierräume mit optimaler Belichtung in den Gebäudeecken und Rückzugsmöglichkeiten in den Raumklammern. Eine sekundäre informelle Erschliessung entlang der Fassade ermöglicht das Zusammenschliessen von Räumen. Klare Raum- und Zugangshierarchien sowie wiederkehrende Bezugspunkte zur Umgebung und Tageslicht erleichtern die Orientierung im Gebäude.

Wie verhält sich das Projekt zur Umgebung?
Das Dorf Wald-Schönengrund an der Kantonsgrenze von St. Gallen und Appenzell Ausserrhoden besteht aus einer losen Ansammlung von Gebäuden. Es offenbart sich ein Muster von mehreren kleinen Einheiten, die sich entweder typologisch oder durch ihre Ausrichtung hervorheben. Das neue Werkstattgebäude versteht sich als Baustein einer solchen Einheit und ergänzt durch seine ortsbauliche Setzung das Ensemble der Stiftung.

Wo lagen die grössten Schwierigkeiten im Wettbewerb?

Die Schwierigkeit lag bei diesem Wettbewerb sicherlich darin, die betrieblichen und funktionalen Wünsche innerhalb der ökonomischen und baugesetzlichen Rahmenbedingungen in eine schlüssige, stringente Struktur mit reizvollen Räumen zu transformieren. Um ein konsequentes architektonisches Resultat zu erzielen, mussten wir während des Entwurfsprozesses die Wünsche der Nutzer immer wieder diskutieren und neu interpretieren

Neubau Werkstatt Landscheide, Schönengrund

Projektwettbewerb im selektiven Verfahren mit 15 Teilnehmern für die Stiftung «Landscheide – Lebensraum und Arbeitsplatz», Schönengrund

1. Rang

kit | architects, Zürich; Mitarbeit: Roman Loretan, Andreas Schelling, Gianet Traxler, Georg Krummenacher; Cadrage Landschaftsarchitekten, Zürich; Tragwerks: Schnetzer Puskas Ingenieure, Zürich; Waldhauser Haustechnik, Münchenstein; Brandschutz: Makiol + Wiederkehr, Beinwil am See

2. Rang

Gret Loewensberg und Ghisleni Architekten, Zürich

3. Rang

Rafael Schmid Architekten und Dejan Mikavica, Zürich

4. Rang

bernath + widmer Architekten, Zürich

5. Rang

Froelich & Hsu Architekten, Zürich/Brugg

6. Rang

Niklaus Graber & Christoph Steiger, Luzern

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