Trotz Kritik am Verfahren ein gutes Projekt von Jessen + Vollenweider Fotos: Jessen + Vollenweider

Projekte hui, Verfahren pfui

Wettbewerbe im selektiven Verfahren haben Mängel. Wie Mägenwil zeigt, kann man zu Präqualifikationen immer kritische Fragen stellen. Mit einem offenen Verfahren hätte sich dieser Makel vermeiden lassen.

Wettbewerbe mit Präqualifikation sind nicht fair. Das liegt am System, die Jury kann sich noch so Mühe geben. Die Erklärung ist einfach: In selektiven Verfahren wählt die Jury in der ersten Runde den Architekten und erst in der zweiten das Projekt. Dann, wenn die meisten Architekten, die mitmachen wollen, ausgeschlossen sind. Das im Gegensatz zu offenen Verfahren, in denen die Jury nur Projekte beurteilen kann. Eine objektive Auswahl von Teilnehmern aufgrund von fachlichen Fähigkeiten ist eine Illusion. Das Beispiel Mägenwil zeigt es.Der Ingenieur, Planer und ehemalige Bauverwalter Alfred Kohli hat schon einige Wettbewerbsverfahren im Aargau organisiert. Er hält sie schlank, deswegen lädt er nur wenige Fachrichter ein und häufig dieselben. In mindestens fünf Wettbewerben sitzen Elisabeth Boesch und Miroslav Šik zusammen in der Jury. Die Wettbewerbskommission SIA 142 / 143 empfiehlt in ihrer Wegleitung Befangenheit und Ausstandsgründe: «Es ist unbestritten, dass die wiederholte Beauftragung gleicher Jurymitglieder in einer Region für einige an der Teilnahme Interessierte eine Benachteiligung bedeuten kann.» Im Falle der Verfahren von Kohli bedeutet es für einige eher einen Vorteil: Aus 34 Bewerbungen wählt die Jury in Mägenwil sieben Teilnehmer aus. Zum Beispiel das Büro von Christoph Mathys, der mehr als zehn Jahre bei der Professur Šik angestellt war. Oder Alessandro Savioni, Caroline Fiechter und Helene Kuithan, die alle bei Šik diplomiert und teilweise bei Mathys gearbeitet haben. Oder Michael Meier, der mal bei Elisabeth Boesch gearbeitet hat. Nach dem Buchstaben der Wettbewerbsordnung des SIA ist das nicht verboten. Doch es ist kein Zufall, dass es schon 1877 in den Grundsätzen über das Verfahren bei öffentlichen Concurrenzen hiess: «Sie [die Preisrichter] sollen womöglich nicht einer Schule oder Richtung angehören.»Ein weiteres problematisches Beispi...
Projekte hui, Verfahren pfui

Wettbewerbe im selektiven Verfahren haben Mängel. Wie Mägenwil zeigt, kann man zu Präqualifikationen immer kritische Fragen stellen. Mit einem offenen Verfahren hätte sich dieser Makel vermeiden lassen.

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