Das Richtkonzept für das LG-Areal im Stadtmodell

Postindustrielle Wandlungen

Das Team von Salewski & Kretz, pool Architekten, Studio Vulkan und mrs partner hat den Studienauftrag für das städtebauliche Gesamtkonzept des Landis&Gyr-Areals in Zug gewonnen.

Das postindustrielle Zeitalter ist schon lange angebrochen. Mittlerweile sind drei Jahrzehnte vergangen, seit das Winterthurer Sulzer-Areal umgenutzt wurde und eine lange Ära städtebaulicher Transformationen eingeläutet wurde: Kaum eine Stadt oder grössere Gemeinde, die sich nicht mit leerstehenden Fabrikarealen konfrontiert sah und diese mit mehr oder weniger Erfolg in städtische Quartiere oder semi-urbane Wohnsiedlungen zu überführen suchte. Man würde denken, dass die Entwicklung unterdessen abgeschlossen ist, wird aber ständig eines Besseren belehrt. Zum Beispiel in Zug, wo sich an zentralster Lage neben dem Bahhof das Landis&Gyr-Areal befindet, ehemals Produktionsstätte der berühmten Stromzähler, heute Schauplatz einer städtebaulichen Entwicklung unter dem neuen Namen LG-Areal. Das 146’000 Quadratmeter umfassende Gebiet befindet sich heute im Besitz verschiedener Grundeigentümer und soll unter der Führung der Stadt Zug zu einem «durchmischten und lebendigen Stadtteil» transformiert werden. Von einem «Mega-Projekt», schreibt die lokale News-Platform ‹zentralplus›: «Sollte es dereinst verwirklicht sein, wird die Stadt Zug wohl nicht mehr die gleiche sein.»

Skizze mit neuem LG-Areal im Vordergrund, Altstadt und See im Hintergrund

Zur schieren Fläche gesellt sich die Masse: Spätestens seit der Revision des Raumplanungsgesetzes 2014, das die berühmte «Siedlungsentwicklung nach innen» zum Gebot machte, bedeutet die Transformation eines Industrieareals nicht nur Umnutzung, sondern auch Verdichtung. Beim LG-Areal hatte ein kantonaler Richtplan aufgezeigt, dass «die angestrebte Verdichtung nicht homogen über das ganze Areal verwirklicht werden kann, ohne die städtebauliche Qualität des Quartiers zu schmälern. Möglich ist hingegen eine punktuell sehr hohe Dichte, wenn im Ausgleich attraktive Freiräume zur Verfügung stehen.»

Städtebauliche Anbindungen und Bezüge

Das Projekt des Teams von Salewski & Kretz, pool Architekten, Studio Vulkan und mrs partner, das als Sieger aus dem Studienauftrag hervorgegangen ist, antwortet auf diese Herausforderung mit der Ausformulierung bewusst differenzierter Orte und Flächen, die den Bogen von sehr hoher bis zu sehr geringer Dichte spannen. Gleichzeitig wird wahrscheinlich zentralste Lehre aus den Arealumnutzungen der vergangenen Jahrzehnte berücksichtigt: «lDas LG-Areal hat historische Tiefe», lautet eine der vier Thesen, die die Verfasser ihrem Projekt zugrunde legen. Wie die Jury vermerkt, zeige der Vorschlag, wie bereichernd die Integration der historischen Substanz (hier zum Beispiel der teilweise Erhalt der Shedhalle) in die städtebauliche Entwicklung sein kann. Der städtebauliche Entwurf besteche einerseits durch die klare und robuste Grundstruktur, die sich stark aus der Arealgeschichte generiert und andererseits durch seine Offenheit und Anpassungsfähigkeit im weiteren Planungsprozess. Während eine Art «Ring» das ganze Areal verbindet und dadurch eine flexible innere Bebauung ermöglicht, werden um die bestehenden historischen Gebäude herum besondere Orte kreiert, die eine vielfältige und zukunftsträchtige Nutzung ermöglichen, ohne dabei die Geschichte des Industrieareals zu vergessen.

Flanieren in einem «durchmischten und lebendigen Stadtteil»

Das städtebauliche Gesamtprojekt aus dem Studienauftrag ist vom prämierten Team zum Richtprojekt ausgearbeitet worden und letzte Woche der Öffentlichkeit präsentiert worden. Mit der laufenden Austellung geht ein Partizipationsverfahren einher: Unter www.mitreden.lg-zug.ch steht eine Dialogplatform zur Verfügung, bei der die Bevölkerung Ideen zu zukünftigen Nutzungen auf dem Areal online einbringen und diskutieren kann. Die postindustrielle Gesellschaft ist auch eine digitale Gesellschaft.

Situationsplan

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