Das Wohnhaus «à discrétion» von Nord Architekten. Fotos: Nord Architekten

Kommentar zu einem unbedarften Projekt

Das Wohnhaus «à discrétion» in Bern-Brünnen von Nord Architekten steht in der Kritik.

Der Berner Alt-Stadt Jürg Sulzer kritisert heute im «Bund» das Wohnhaus «à discrétion» von Nord Architekten in Bern-Brünnen. «Das Projekt erkauft sich eine Erfindung mit vielen Zwängen», schreibt unser hpw-Korrespondent David Ganzoni im Kommentar.Die Architekten zeichnen ein viergeschossiges Gebilde aus kreuzweise gestapelten Quadern. Die Konstruktion macht dieses Siegerprojekt aus. Vier Treppenhäuser stützen das Haus, Fachwerke in den Fassaden und in der Mitte der Körper überspannen grosse Distanzen. Das ist aufwendig, aber plausibel. Die Konstruktion bestimmt das Gebäude auch gegen innen. Einerseits geben die – in den Visualisierungen optimistisch schlanken – Diagonalträger den Wohnungen eine unkonventionelle Ingenieurästhetik. Andererseits halbiert die Konstruktion die Riegel längs und gibt den Grundrissen eine starke Ausrichtung. Das führt zu überraschenden Raumfolgen und begehbaren Schränken, aber auch zu Schlafzimmern ohne ein einziges Fenster – im Innern eine zweifelhafte Bilanz. Wozu also der konstruktive Aufwand? Grosszügig überspannen und dann doch zerstückeln Die Räume zwischen den Volumen, diese stützenlos überdeckten Aussenflächen, sind die Erfindung des Projekts. Aber: Jede Wohnung will ihren Anteil daran haben. Deshalb zerstückeln die Architekten die grosszügigen Flächen mit Vorhängen zu vier privaten Aussenräumen – und hinterfragen damit selbst ihre Grundidee: Wozu grosse Spannweiten, wenn die daraus entstehenden Räume wieder unterteilt werden müssen? Und damit stellt sich dann doch die Frage: Ist die Kreuzbeige ein vernünftiger Ansatz für einen solchen Wohnungsbau?Autistischer Entwurf Im Quartier schwebt das neue Gebäude wie eine Skulptur über den Parkplätzen. Zu allen Seiten gleich reagiert es weder auf die Himmelsrichtungen noch auf den öffentlichen Raum. Nur gerade mit den kurzen Stirnseiten in den oberen Geschossen be...
Kommentar zu einem unbedarften Projekt

Das Wohnhaus «à discrétion» in Bern-Brünnen von Nord Architekten steht in der Kritik.

E-Mail angeben und weiterlesen:

Dieser Beitrag ist Teil unseres Abos. Trotzdem möchten wir Ihnen Zugriff gewähren. Geben Sie uns Ihre E-Mail-Adresse und wir geben Ihnen unseren Inhalt – Deal?