Alder Clavuot Nunzi Architekten falten eine Stahlhaut um die neue Talstation zur Staumauer Albigna. Fotos: Alder Clavuot Nunzi Architekten, Soglio

Junge Bergeller Architekten ersetzen Giacometti-Talstation

«Einfach und genial» findet die Jury den Siegesentwurf der jungen Alder Clavuot Nunzi Architekten aus Soglio. Sie werden die von Bruno Giacometti erbaute Seilbahn zur Staumauer Albigna ersetzen.


Die Seilbahn Albigna wurde 1955 als Baustellenerschliessung und spätere Werkseilbahn der Staumauer Albigna gebaut. Bis 2016 muss sie wegen Bauschäden und sicherheitstechnischen Auflagen erneuert werden, denn noch immer ist sie unverzichtbar um rund 117'000 Haushalte dank Albignawasser mit Strom zu versorgen. Die Bergstation wird komplett ersetzt und von der Talstation – erstellt vom regional bedeutenden Architekten Bruno Giacometti – bleibt nur das Untergeschoss als Sockel der neuen elektromechanischen Anlage. Per Wettbewerb unter vier Bündner Architekturbüros suchte die Betreiberin eine gestalterisch überzeugende Gebäudehülle für den Neubau. Dieser sollte Eingangs- und Wartebereich sowie WC-Anlagen sinnvoll anordnen und das bestehende Untergeschoss integrieren.
Die jungen Alder Clavuot Nunzi Architekten mit Sitz in Soglio konnten sich mit ihrem Vorschlag gegen gestandene Konkurrenten durchsetzen. Sie rücken Erschliessungs- und Nebenräume auf die eine Seite und ermöglichen dadurch die ungestörte Anlieferung auf der anderen. Mit einer einfachen Faltung stülpen sie das Dach über diesen Erschliessungsteil, integrieren ihn und stärken die gegebene Polygonalität der Anlage. Eine breite Betontreppe mit Baubronze-Geländer verjüngt ihren ersten Lauf und geht in eine Stahlkonstruktion über, die sich entlang der Nebenräume zwei Geschosse empor windet. Über allem spannt eine mit grauen Wellblechplatten und gelblich beigenen Lichtplatten bedeckte Stahlkonstruktion. Die Jury lobt «Einfachheit und Genialität» des Vorschlags, der die Erschliessungsthematik ohne ein massgeblich grösseres Volumen löst, und der einfach konstruierten Bedachung «eine detailliert ausgestaltete Erschliessung mit unterschiedlichen Aufenthaltsqualitäten entgegengesetzt.»

Erneuerung Seilbahn Albigna
Gestaltung Gebäudehülle Berg- und Talstation Pranzaira bei Vicosoprano

– Planerwahl im Einladungsverfahren
– Bauherrschaft: ewz, Elektrizitätswerke der Stadt Zürich
(vertreten durch die Bergeller Kraftwerke)
– Beurteilungsgremium: Andres Fasciati (ewz Bergell), Thomas Marty (ewz Bürobau), Urs Müller (ewz Immobilien), Patric Allemann (Architekt, Zürich), Lelia Bollinger (Architektin, Zürich)
– Experten: Anna Giacometti (Gemeindepräsidentin Bergell), Ivano Fasani (Architekt Mesocco, Gemeindeberater Bergell), Willi Roganti (Betrieb und Instandhaltung, ewz Kraftwerke Bergell)
1. Rang
Weitere Teilnehmer
Conradin Clavuot, Chur
Renato Maurizio, Maloja
Ruinelli Associati Architetti, Soglio

Kommentare

Mettler Rudolf, Dipl. Bauing. ETHZ/SIA/FGU,Chur 22.10.2014 12:25
Eine Super Lösung. Ich denke, dass sogar Bruno Giacometti, wenn er noch lebte, an dieser Lösung Freude hätte und zustimmen würde. Er hatte ja seinerzeit auch einen sehr modernen Vorschlag gemacht für den Ergänzungsbau des Bündner Kunstmuseums, der aber nicht zur Ausführung kam. In der gleichen Zeit wurde aber sein Vorschlag für das neue Bündner Naturmuseum von Ihm realisiert, ein damals sehr moderner Bau! Ich kannte Bruono Giacometti noch persönlich als ehemaliger Präsident vom Bündner Kunstverein, seit 1985 Ehrenmitglied. Ich kam im August 1955 als junger Bauing. der Bauunternehmung AG Conrad Zschokke Zürich nach Promontogno für den Bau vom Druckschacht, Wasserschloss und Druckstollen Castasegne der Bergeller Kraftwerke der Stadt Zürich. Vom Januar 1956 bis Febr. 1958 wohnte ich mit meiner Faru Heidi und beiden Söhnchen Rico und Christian in Soglio, auf dem Grundstück von Hebamme Ruinelli Soglio. Eine wunderschöne Zeit wie Segantini sagte: Soglio, la soglia del paradiso. Auguri cordiale anche a Anna Giovanoli.
Kommentar schreiben
Ich kann das Bild nicht lesen