Soll durch einen «hochwertigen» Neubau ersetzt werden: die Villa Wiesenthal in St. Gallen. Fotos: facebook.com/wiesental

Heisse Debatte um die Villa Wiesenthal

Der Wettbewerb für das Areal der Villa Wiesental in St. Gallen gibt zu Reden. Unser Beitrag über den Protest lokaler Architekten, die zum Wettbewerb nicht eingeladen wurden, wurde ausführlich kommentiert.

«Ausschliesslich einheimische Architekten einzuladen, würde in der Tat mit der Forderung des Verwaltungsgerichtes und des Hochbauamtes der Stadt St. Gallen, «ein sehr hochwertiges Neubauprojekt» vorzulegen, kollidieren», hält Martin Hofer vom Planungsbüro Wüest & Partner in seinem Kommentar fest.
Doch «hochwertig» wird offenbar unterschiedlich interpretiert. «Jeder Architekt weiss doch langsam Bescheid, was mit einem ‹hochwertigen Neubauprojekt› gemeint ist, wenn ein ‹führender Schweizer Asset Manager und Fondsanbieter› (Eigenwerbung Swisscanto) als Bauherr mit einem GU wie HRS zusammenspannt (...)», findet Peter Müller. «Wenn dann noch vernebelnd von einem ‹hohen Haus› die Rede ist, besteht Grund genug zur Annahme, dass da im Zuge des gegenwärtigen Baubooms noch möglichst viel Rendite aus dem Areal gepresst werden sollen.» Ins gleiche Horn bläst Gallus Hufenus, der sich für die Rettung der Villa Wiesenthal einsetzt: «Wenn ein Projekt mit der Auslastung/Wirtschaftlichkeit begründet wird, ist wenig zu erwarten. Verdichtung ist richtig und gute zeitgenössische Architektur ist toll! Nur geht es hier unter diesem Deckmantel letztlich nur um Gier und Spekulation - auf Kosten der Kultur. Martin V. Müller sieht die Lösung im offenen Wettbewerb: «Solche Wettbewerbe sollten grundsätzlich nur offen ausgeschrieben werden und zwar nach den Standesregeln des SIA. Wie wollen wir sonst verhindern, dass ein uniformer Architekturstil in Form eines elitären Neokubismus weiter um sich greift?» Mitte August soll das Siegerprojekt des Wettbewerbs erkoren werden. Danach wird die Stadt St. Gallen darüber befinden, ob sie dieses höher gewichtet als die schützenswerte Villa. Wir bleiben dran.

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