Visualisierung

Geheimnisvolle Öffentlichkeit

Der offene Projektwettbewerb für das neue Krematorium in Thun ist entschieden. Es gewinnen Markus Schietsch Architekten aus Zürich. Das Projekt besteche durch eine einfache, aber grosse architektonische Ausstrahlung, schreibt die Jury.

Für den Neubau des Krematoriums beim Friedhof Schoren hat die Einwohnergemeinde Thun einen offenen Wettbewerb ausgeschrieben. Die Resonanz war gross: 199 Teams meldeten sich an, 138 reichten ein Projekt ein. Zwei Teams mussten von der Beurteilung ausgeschlossen werden, weil sie entweder kein Modell ablieferten oder merkwürdigerweise auf Ansichten, Schnitte und Konstruktionsdetails verzichteten. Es blieb die stolze Zahl von 136 Projekten, was das Preisgericht «ebenso herausgefordert wie vor allem auch gefreut» haben soll.
Gewonnen haben schliesslich Markus Schietsch Architekten aus Zürich. Das Projekt besteche durch eine einfache, aber grosse architektonische Ausstrahlung, schreibt die Jury. Die Horizontalität des eingeschossigen Pavillon stehe in starkem Kontrast zur bewegten Landschaft der Berner Voralpen und zum Baumbestand in unmittelbarer Nähe. In den Augen des Preisgewichts gewinnt der Bau dank dieser Spannung eine «erhabene, ja fast geheimnisvolle Öffentlichkeit». Die Analogie zum klassischen Tempel sei evident, werde aber durch die versetzt angeordneten Säulen des Portikus gleich wieder relativiert. Dieser Säulenumgang schaffe «einen vermittelnden Raum zwischen der öffentlichen Friedhofslandschaft und den ganz privaten Andachtsräumen».
In betrieblicher und konstruktiver Hinsicht ortet das Preisgericht zwar einige Schwierigkeiten, fügt aber gleich an, dass diese sich beheben liessen, ohne dass das Projekt architektonisch Schaden nehme. Entscheidend also war der architektonische Ausdruck: Dieser sei beim Siegerprojekt «dank der Abstraktion selbstredend» und könne auf formale Erklärungen der inneren Organisation verzichten. «Dies verleiht dem Gebäude Schlichtheit und Würde, aber auch eine angemessene Sakralität», schreibt die Jury. «Etwas, das nur ganz wenigen Projekten gelungen ist.»

Neubau Krematorium Thun-Schoren
Offener Projektwettbewerb für die Einwohnergemeinde Thun
Fachjury: Marco Graber, Simon Schöni, Marc Syfrig, H. Kasimir Lohner
– 1. Rang: Markus Schietsch Architekten, Zürich / Schmid Landschaftsarchitekten, Zürich
– 2. Rang: Architekten-Kollektiv, Winterthur / Graber Allemann Landschaftsarchitektur, Pfäffikon
– 3. Rang, 1. Ankauf: Felgendreher Olfs Köchling (Bürofok), D-Berlin / 100 Landschaftsarchitektur, D-Berlin
– 4. Rang: Barozzi / Veiga, Chur / Pascal Heyraud – architecte paysagiste, Neuchâtel
– 5. Rang: ARGE MSM-A / rico wasescha, Zürich / Graf Landschaftsarchitektur, Uerikon
– 6. Rang: Aviolat Chaperon Escobar Architectes, Fribourg / Marceline Hauri, Planetage, Zürich
– 7. Rang: BUBE, NL-Rotterdam / POLA, D-Berlin
– 8. Rang, 2. Ankauf: Mauro Turin Architectes, Lausanne / Paysagestion, Lausanne

Die Ausstellung der Wettbewerbsarbeiten findet im Regionalen Ausbildungszentrum Allmendingen RAZ, Allmendingenstrasse 73, 3608 Thun statt und ist wie folgt geöffnet:
Mittwoch, 16. Dezember bis Freitag 18. Dezember 2015 jeweils von 15.00 bis 19.00 Uhr
Samstag,/Sonntag, 19. und 20. Dezember 2015 jeweils von 12.00 bis 16.00 Uhr
Montag, 21. Dezember bis Mittwoch 23. Dezember 2015 jeweils von 15.00 bis 19.00 Uhr
Montag/Dienstag, 28. und 29. Dezember 2015 jeweils von 15.00 bis 19.00 Uhr

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