Übersichtsplan des Siegerprojekts Fotos: Brühlmann Loetscher

Für Bewohner und Autolenker

Brühlmann Loetscher gewinnen den Studienauftrag für eine neue Zentrumsgestaltung in Diepoldsau. Mathias Brühlmann beantwortet unsere drei Fragen.



Was ist die Erfindung am Siegerprojekt?
Mathias Brühlmann: Der Vorschlag knüpft an zwei historische Entwicklungen von Diepoldsau an: Das heutige Zentrum der Gemeinde war ursprünglich eine freie, unbebaute Mitte zwischen den beiden historischen Ortskernen «Schmitter» und «Diepoldsau». Das Projekt erklärt die nicht bebaute Mitte zum städtebaulichen Hauptmerkmal des heutigen Zentrums, zwei offen zugängliche Plätze – «Dorfplatz» und «Baumplatz» – werden die neuen identitätsstiftenden Räume im Zentrum. Die diagonal durch das Siedlungsgebiet verlaufende Kantonsstrasse wird im Zentrum in die ursprüngliche Geometrie des historischen Strassennetzes zurückgedreht. Die mit dem Projekt wiedergefundene städtebauliche Struktur bricht die Dominanz der Hauptstrasse, der Strassenraum fügt sich selbstverständlich in das Zentrum ein. Im Vordergrund steht das Zentrum, nicht die Strasse.

Wie verhält sich das Projekt zur Umgebung?
Die offene, unbebaute Mitte mit den beiden vis-à-vis der Kantonsstrasse liegenden Plätzen charakterisiert das Zentrum. Die Freiräume sind mit dem umliegenden Siedlungsgebiet vernetzt, eine neue Langsamverkehrsachse in Nord-Süd-Richtung verbindet die beiden Ortsteile zusätzlich. Mit Rücksicht auf den Bestand wird eine moderate Verdichtung vorgeschlagen. Neubauten nehmen die Massstäblichkeit der bestehenden Bebauung auf. Das Zentrum von Diepoldsau wird mit der Neugestaltung nicht nur für die Bewohner attraktiver, sondern auch für den durchfahrenden Autolenker wahrnehmbar. Mit der gestalterischen Differenzierung der Kantonsstrasse im Zentrum wird der geradlinige Verlauf und der einheitliche Charakter der Strasse unterbrochen zu Gunsten einer stärkeren Präsenz des Zentrums.

Wo lagen die grössten Schwierigkeiten im Wettbewerb?
Die Situation mit einer mitten durch das Dorfzentrum verlaufenden Kantonsstrasse, verbunden mit hoher Lärmbelastung, zerstückelten Freiräumen, fehlender Aufenthaltsqualität und kleinteiligen Eigentumsverhältnissen ist typisch für diese Art von Aufgabenstellung. Die grösste Schwierigkeit lag darin, die Gesamtsicht nicht zu verlieren: Häufig dominieren Verkehrsfragen in solchen Projektentwicklungen, die übrigen Elemente werden diesem Ansatz untergeordnet. Städtebaulich führt dies oft zu mehr oder weniger geschlossenen, von der Strasse abgewandten Gebäudetypologien. In diesem Fall galt es zu erkennen, dass keine neuen, ortsfremden Raumtypologien nötig sind sondern eine ausgewogene und aufeinander abgestimmte Anordnung von Strasse, Freiräumen und Bauten die beste städtebauliche Gesamtwirkung erzeugen.

Zentrumsgestaltung, Diepoldsau

Studienauftrag im selektiven Verfahren mit vier Teams für die Gemeinde Diepoldsau

Weiterbearbeitung

Brühlmann Loetscher Architekten, Zürich; Mitarbeit: Mathias Brühlmann, Christoph Loetscher; Lorenz Eugster Landschaftsarchitektur und Städtebau, Zürich; Verkehrsplanung: mrs partner, Zürich

Weitere Teilnehmer

– Van de Wetering, Atelier für Städtebau, Zürich

– Wellmann Architekten, Zürich

– Gemperli Stauffacher Architektur, St. Gallen

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