Situation des Siegerprojekts Fotos: Jürgensen Klement Leimgruber

«Fragilere Typologie»

Die Arbeitsgemeinschaft Jürgensen Klement Leimgruber gewinnt den offenen Wettbewerb für eine neue Graphis-Siedlung in Aarau. Thomas Klement beantwortet unsere drei Fragen.



Was ist die Erfindung am Siegerprojekt?
Thomas Klement: Der Ausgangspunkt unseres Entwurfs ist die Entwicklung schmaler und einfach strukturierter Wohnungen, die über aussenliegende Treppenhäuser und grosszügige Veranden direkt erschlossen werden. Dieser Grundrisstyp ermöglicht uns, eine durchlässige und feingliedrige Gesamtform zu entwickeln, in der gemeinschaftliche Räume auf verschiedenen Massstabsebenen angeboten werden.

Wie verhält sich das Projekt zur Umgebung?
Die Grundidee des Projekts liegt darin, den vermeintlichen Widerspruch zwischen einer Grossform und der kleinteiligen Umgebung auszuloten. Ein nach Südwesten offenes Geviert besetzt die Parzelle und umschliesst einen öffentlichen Hof, der den Mittelpunkt der Siedlung bildet. Die fünf den Hof umgebenden «Häuser»  werden dabei über ein weit auskragendes Dach und eine einheitliche Materialisierung zu einer Gesamtfigur zusammengebunden. Die Fugen zwischen den Baukörpern bleiben stets durchlässig und schaffen so vielfältige Bezüge. Die künftige Siedlung schafft ihre eigene Identität ohne sich von der Umgebung abzuschotten.

Wo lagen die grössten Schwierigkeiten im Wettbewerb?

Die eigentliche Herausforderung lag für uns in der Klärung der Frage, wie man die Rolle des kollektiven gegenüber dem privaten Raum stärkt. In diesem Spannungsfeld haben wir Wohnformen untersucht, die die gängigen kompakten Bauformen hinterfragen und durch eine fragilere Typologie ersetzen. Gleichzeitig galt es Offenheit und Geschlossenheit der Gebäudekörper auch vor dem Hintergrund energetischer Anforderungen auszubalancieren.

Ersatzneubauten für die genossenschaftliche Wohnsiedlung Quellengarten, Aarau/Rohr

Projektwettbewerb im offenen Verfahren mit 70 Teilnehmern für die Bau- und Wohngenossenschaft Graphis, Bern

Fachpreisgericht: Martin Erny, Philipp Esch, Felix Fuchs, Ivo Moeschlin, Jakob Steib

1. Rang

Jürgensen Klement Leimgruber, Zürich; Mitarbeit: Steffen Jürgensen, Thomas Klement, Valérie Leimgruber, Andrea Speirer, Benjamin Leimgruber; Bauingenieur: Ulaga Partner, Basel; Landschaft: ASP Landschaftsarchitekten, Zürich; Gebäudetechnik: HeiVi, Basel

2. Rang

Althaus Architekten, Bern

3. Rang

Streiff Architekten, Zürich

4. Rang

Zita Cotti Architekten, Zürich

5. Rang

Bachelard Wagner Architekten, Basel

6. Rang

Haerle Hubacher Architekten, Zürich

7. Rang

Egli Rohr Partner, Baden-Dättwil

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