Erdgeschoss

Fein geschnittener Höhlenbau

Die Gemeinde Aigle schrieb einen offenen Wettbewerb für eine neue Mehrzweckhalle aus, 65 Projekte wurden eingereicht, gewonnen haben Graber & Petter Architectes – ein junges Büro, das selbst in Aigle beheimatet ist.

Die Gemeinde Aigle schrieb einen offenen Wettbewerb für eine neue Mehrzweckhalle aus, 65 Projekte wurden eingereicht, gewonnen hat ein junges lokales Büro. Der erste Rang habe sich schnell und einstimmig herauskristallisiert, liess sich Bauvorsteherin und Jurypräsidentin Isabelle Rime zitieren, das Projekt erfülle die Anforderungen zu hundert Prozent. Eine schöne Überraschung also, dass für den prämierten Entwurf Graber & Petter Architectes verantwortlich zeichnen, zwei junge Architekten, die 2014 ihr gemeinsames Büro in Aigle eröffnet haben. Ganz unerwartet kommt der Erfolg hingegen nicht: Bereits im Wettbewerb für den Salle polyvalente in Bevaix belegten Graber & Petter den ersten Rang, es folgte ein vierter Rang für das Maison du Jardin der Fondation Perceval in Saint-Prex.

In Aigle schlagen Raphaël Graber und Yann Petter ein lang gezogenes, passgenau in die Situation eingefügtes Volumen vor, das sich im Südosten mit einem schrägen Schnitt zur Stadt hin orientiert und im Nordwesten mit einer konkaven Öffnung den Bezug zur bestehenden «Halle des Glariers» herstellt, die in Zukunft wieder ihrer ursprünglichen Nutzung als offenen Markthalle zugeführt werden soll. Die innere Organisation des «fein ziselierten» Baukörpers erlaube variantenreiche Ausblicke, lobt die Jury: Vom Foyer blickt man auf die Weinberge, vom Veranstaltungssaal auf die Stadt und die Bergkette der Dents-Du-Midi; die Bühne, die mit der nordwestlichen Öffnung des Volumens kongruent ist, soll sowohl von innen wie auch von aussen bespielt werden können. Innerhalb eines Projekts, das «avec simplicité et précision» organisiert ist, scheint letztere Idee allerdings nicht ganz zu Ende gedacht. Inspirierend umgesetzt hingegen ist die Vorstellung der drei öffentlichen Haupträume (Eingangshalle, Foyer, Saal) als aus der Baumasse herausgegrabene «Höhlen», was sich im Schnitt mit der Kombination gestapelter und überhoher Räume ablesen lässt. Um einen Massivbau handelt es sich der Höhlenmetapher zum Trotz dennoch nicht: die gesamte oberirdische Struktur ist als Holzsystembau vorgesehen, der mit Kupferplatten verkleidet werden soll.

Espace Évènements des Glariers, Aigle
Offener Projektwettbewerb für die Gemeinde Aigle
Fachjury: Anne-Line Darbellay, Claude Fabrizzi, Laurent Fragnière, Martin Gauthier, Jacqueline Pittet, Sébastien Virdis, Antoine Graf
– 1. Rang: Graber & Petter architectes, Aigle
– 2. Rang: Atelier Jordan & Comamala Ismail Architectes
– 3. Rang: bonnard woeffray architectes, Monthey
– 4. Rang: CB_lab architectes, Genf
– 5. Rang: bunq architectes, Nyon

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