Der flache Holzbau steht am Rande der Liegewiese. Fotos: Cukrowicz Nachbaur Architekten

Ein zurückhaltender Pavillon

Cukrowicz Nachbaur Architekten und Oechsli & Partner Architektur gewinnen den Studienauftrag für das Betriebsgebäude im Schwimmbad Otterstall in Neuhausen am Rheinfall. Andreas Cukrowicz beantwortet unsere drei Fragen.

Cukrowicz Nachbaur Architekten und Oechsli & Partner Architektur gewinnen den Studienauftrag für das Betriebsgebäude im Schwimmbad Otterstall in Neuhausen am Rheinfall. Andreas Cukrowicz beantwortet unsere drei Fragen.

Was ist die Erfindung am Siegerprojekt?
Andreas Cukrowicz: Ein grosszügig konzipiertes Dach verbindet sämtliche Funktionsbereiche. Zwei versetzt zueinander positionierte möbelartige Raumkörper bilden differenzierte überdeckte Aussenbereiche mit spannenden Raumfolgen. Eine umlaufende Stützenreihe mit unterschiedlichen Abständen visualisiert subtil die dahinterliegenden Nutzungen. Die Aussenhülle der Raumkörper besteht aus einer filterartigen Schicht aus Lamellenladenelementen unterschiedlicher Ausführung und ist lichtdurchlässig. Diese Elemente entwickeln Erinnerungsbilder an Blickschutzelemente wie Fensterladen oder eine spanische Wand.
                                               
Wie verhält sich das Projekt zur Umgebung?
Das Grundstück befindet sich als Landschaftsterrasse in einer parkähnlichen Anlage unmittelbar nach dem Rheinfall und ist geomorphologisch geprägt durch die charakteristische Landschaftsform eines Flusstales. Der Entwurf reagiert auf die Situation mit einem längsrechteckigen, leicht wirkenden, pavillonartigen Gebäude. Durch seine Materialisierung aus unbehandeltem Holz und seine einfache Gestaltung verhält sich das Gebäude zurückhaltend und gliedert sich selbstverständlich in sein naturräumlich geprägtes Umfeld ein.

Wo lagen die grössten Schwierigkeiten im Wettbewerb?
Wir fragten uns, welche Bedürfnisse und welche Gefühle die reine Funktion des Umkleidevorganges im Menschen hervorruft: Nacktheit, Ungeschütztheit, Intimität, Verletzlichkeit. Und wie der Mensch in seiner Geschichte seit jeher darauf reagierte. Mit Blickschutz und gleichzeitig verbunden mit dem Verlangen nach Tageslicht. Mit welchem Material können wir am besten einen direkten Bezug zur Haut des Menschen herstellen und gleichzeitig eine sinnliche Atmosphäre generieren? Wir hatten Erinnerungsbilder an Fensterladen mit Lamellenelementen oder an eine spanische Wand. Für die äussere Erscheinung entstand im Entwurfsprozess das Bild eines Schmetterlings (papillon), der leicht und vorsichtig seinen Untergrund berührt, ähnlich wie der Pavillon. Hier gibt es auch eine Wortverwandtschaft. Alle diese Ebenen stimmig miteinander zu vereinen war unser Anspruch und die grosse Herausforderung bei diesem kleinen aber feinen Projekt.

Betriebsgebäude Schwimmbad Otterstall, Neuhausen am Rheinfall

Studienauftrag auf Einladung mit fünf Teilnehmern für die Gemeinde Neuhausen
– Weiterbearbeitung: ARGE Cukrowicz Nachbaur Architekten, Bregenz, und Oechsli und Partner Architektur, Schaffhausen, mit Merz Kley Partner, Altenrhein, Markus Cukrowicz, Winterthur
– Weitere Teilnehmer: Aellig + Lamparsky Architekten, Schaffhausen; ARGE Walser Zumbrunn Wäckerli Architektur, Winterthur, und bernath+widmer Architekten, Zürich; Rebsamen Nolè Partner Architekten, Neuhausen am Rheinfall; Rellstab Partner Architekten, Neuhausen am Rheinfall

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