Die Sieger zeichnen sieben statt nur sechs Regelgeschosse und bringen so die überhohen Räume unter.

Ein Meter in den Boden, fünf Meter in die Luft

Bob Gysin und Partner gewinnen den Wettbewerb für die städtische Wohnsiedlung Hardturm mit überhohen Räumen. Der Juryentscheid wirft zwei Fragen auf: eine architektonische und eine baurechtliche.

Fast geht es neben dem Projekt fürs neue Stadion Hardturm vergessen: In unmittelbarer Nachbarschaft plant die Stadt Zürich 160 kostengünstige Wohnungen. Bob Gysin und Partner haben den offenen Wettbewerb gewonnen. Im engen Korsett des vorgegebenen Städtebaus zeichnet das Team gelungene Wohnungen mit je einem doppelt geschossigen Raum. Dieser schafft Grosszügigkeit und wirft Licht bis tief in die Wohnungen. Die Einheiten sind gekonnt ineinander geschachtelt, die Lufträume sitzen am richtigen Ort: An der lärmbelasteten Aussenseite des Blockrands, wohin nur wenige Zimmer orientiert sein dürfen; über der Küche als Zentrum der Wohnung. Trotzdem wirft der Juryentscheid zwei Fragen auf: eine architektonische und eine baurechtliche. Zürcher UntergeschossDen Spielraum für die fünf Meter Luft über dem Küchenboden schaffen die Verfasser, indem sie ein Regelgeschoss mehr als die meisten anderen rangierten Büros zeichnen.* Zu Hilfe kommt eine juristische Spitzfindigkeit. In Zürich gilt ein Geschoss als nicht anrechenbar, sobald sein Boden nur wenige Zentimeter in den Boden ragt: das sogenannte «Zürcher Untergeschoss». Die Wettbewerbssieger strapazieren die Regel: Ihr Eingangsgeschoss ist rund ein Meter über dem gewachsenen Terrain. Nur gerade drei Räume senken sie unter das Niveau des ursprünglichen Bodens – und bezeichnen das gesamte Geschoss als Untergeschoss. Ob das baurechtlich hält, was es verspricht, ist fragwürdig.Angemessenheit Ein Geschoss mehr oder weniger, das ist im Wettbewerb entscheidend – die Jury nahm das in Kauf. Nicht ganz überzeugend fand sie das Siegerprojekt in anderer Hinsicht: Sie lobt zwar den räumlichen Reichtum der Wohnungen, sieht aber auch die Unangemessenheit der Lösung. Gewünscht hätte sie sich einen sparsameren Umgang mit dem Raum: «Sollte dieser angesichts des strategischen aber auch politischen Drucks nicht für zusätzliche Zimmer, ...
Ein Meter in den Boden, fünf Meter in die Luft

Bob Gysin und Partner gewinnen den Wettbewerb für die städtische Wohnsiedlung Hardturm mit überhohen Räumen. Der Juryentscheid wirft zwei Fragen auf: eine architektonische und eine baurechtliche.

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