Shedhallen für die Werkstätten, Hochhäuser fürs Wohnen: Das Siegerprojekt von Konrad Scheffer und Sarah Haubner.

Die Werkstadt

Konrad Scheffer und Sarah Haubner gewinnen die Schweizer Ausgabe des Wettbewerbs Europan, die in Kriens nach Ideen für die «produktive Stadt» suchte.

Zum 14. Mal suchte der Wettbewerb Europan dieses Jahr nach neuen, anderen Ideen und Projekten, wie sie in gewöhnlichen Verfahren kaum Chancen haben. In Kriens waren die unter 40-jährigen Architekten aufgefordert, eine Zukunft für das Industrieareal Andritz zu entwerfen, wo die Bell Maschinenfabrik ab 1855 Seilbahnen, Stahlbrücken, Webstühle und Turbinen herstellte. Die eine Hälfte des Areals soll sich nun wandeln, auf der anderen wird weiterhin produziert.

Das Siegerprojekt von Konrad Scheffer und Sarah Haubner bringt das diesjährige Europan-Motto «der produktiven Stadt» schon im Titel auf den Punkt: «Die Fabrik» heisst ihr Projekt, das Wohnen und Werken in einem grossen Konglomerat verwebt und dafür 12'000 Euro erhielt. Die Shedhallen im Erdgeschoss kombinieren Werkstätten, Veranstaltungsräume und Gastronomie. Darüber erheben sich die Scheiben der Wohnhochhäuser. Die Jury lobt die «Totalverdichtung» des Projektes, das das Thema konsequent bearbeite und sensible Räume definiere. Mit einem Ankauf und 6'000 Euro würdigt das Preisgericht die Arbeit «Œcumene» von Camille Cochet, Clément Boitel und Florent Girelli, da sie viele Möglichkeiten offen lässt – insbesondere für die Partizipation. Eine Erwähnung und 1'000 Euro erhalten Vony Santos, Nuria Fernandes und Jonas Meylan für ihr Projekt «Der Weissplan», dessen «spielerische Leichtigkeit» die Jury lobt.

Die produktive Stadt wird auch bei der 15. Ausgabe von Europan im nächsten Jahr das Leitmotiv sein, damit Fertigung und Reparatur nicht vollends aus der Stadt verdrängt werden. 2018 markiert zudem das 30-jährige Jubiläum des paneuropäischen Wettbewerbs, den Belgien, Deutschland, Frankreich, Griechenland, Holland, Italien, Spanien, Österreich und die Schweiz 1988 initiierten. Schlüsselfigur hierzulande ist der Lausanner Architekt Rodolphe Luscher, der Europan Schweiz seit der Gründung präsidiert. Der bald 77-jährige plant, nach dem Jubiläum etwas kürzer zu treten. Er sucht darum nach motivierten jüngeren Kollegen, um ihnen die Fackel weiterzugeben. Damit die aussergewöhnlichen Ideen der jungen Architekten auch in Zukunft paneuropäisch spriessen.

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