Visualisierung der Wohnhäuser im Ortskern von Mühlau

«Die Logik des Vorgefundenen»

Igual & Guggenheim Architekten gewinnen den Wettbewerb für eine Wohnüberbauung im historischen Kern von Mühlau. Sancho Igual beantwortet unsere drei Fragen.

Igual & Guggenheim Architekten gewinnen den Wettbewerb für eine Wohnüberbauung im historischen Kern von Mühlau. Sancho Igual beantwortet unsere drei Fragen.

Was ist die Erfindung am Siegerprojekt?
Die hohen städtebaulichen, topografischen und wirtschaftlichen Anforderungen der Siedlung lassen sich optimal mit kleinteiligen Punkthäusern erfüllen. Die Wohnhäuser werden sorgfältig in das bestehende Gelände eingebettet, ohne dieses zu verändern. Die eigentliche Erfindung des Projekts liegt im gewählten Grundrisslayout und im Schnittprofil. Die stets zweispännig konzipierten Gebäude sind in Hanglage als Splitlevel und in der Ebene geschossig organisiert. Besonders zu erwähnen sind die auf den ersten Blick unkonventionellen Direkterschliessungen der Wohnungen mit Lift. Die gedrungenen Gebäudeformen mit Tiefen von bis zu rund 18 Metern ermöglichen ein optimales und wirtschaftliches Verhältnis von Oberflächen und Volumen. In der Satteldachvolumetrie lässt sich dank dem «Ineinandergreifen» der Wohnungen mit überhohen Räumen eine besondere Wohnqualität generieren.

Wie verhält sich das Projekt zur Umgebung?
Die Siedlung etabliert sich im empfindlichen und historisch bedeutsamen Ortskern von Mühlau: Die lockere und kleinteilige Bebauung wird mit sieben, intarsienartig versetzten Punkthäusern angelegt. Die Stellung und Proportionierung der Neubauten wurden aus der Analyse des gewachsenen Ortsbilds von Mühlau interpretiert und entwickelt. Es wird eine Verzahnung der historischen Baustruktur und des neuen Siedlungskörpers zu einem Ensemble vorgeschlagen, das die prägende Charakteristik des Ortsbilds aufnimmt und weiterführt. Die Neubauten orientieren sich in Bezug auf Körnigkeit, Massstab und Proportionen am benachbarten Status quo. Es werden auch typologische Themen übernommen: Es handelt sich um stehende, einfach gestaltete Kuben, die auf unnötige Vorsprünge verzichten. Die Setzung der Baukörper erfolgt in der Logik des Vorgefundenen: Es gibt keine parallele Fluchten, die Kuben sind versetzt, wodurch eine verschachtelte Gesamtwirkung mit kernzonentypischen Verengungen und Ausweitungen ermöglicht wird. Die Häuser gruppieren sich zu grosszügigen Plätzen, die mit Bäumen, Kies- und Spielflächen bespielt werden. Diese dienen auch als Plattformen für Begegnungen und prägen die Identität der neuen Siedlung.

Wo lagen die grössten Schwierigkeiten im Wettbewerb?
Es galt, zahlreiche Anforderungen und Bedürfnisse mit einem sinnvollen Bebauungsvorschlag zu erfüllen. So war eine sorgfältige Auseinandersetzung mit dem Kontext gefordert – als Basis für die Entwicklung eines Gestaltungsplans. Des Weiteren sollte eine optimale Etappierung für zwei verschiedene Grundeigentümer entwickelt werden. Als weitere Knacknüsse erwiesen sich die Bewältigung der topografischen Verhältnisse, die hohe Ausnützung der Siedlung von maximal 1.0 und die Lösung der Lärmproblematik entlang der Hauptstrasse.

Wohnüberbauung Mühlau

Projektwettbewerb im selektiven Verfahren mit fünf Architekturbüros für die Gemeinde Mühlau
– 1. Rang: Igual & Guggenheim Architekten, Zürich, mit manoa landschaftsarchitekten, Meilen
– 2. Rang: Niedermann Sigg Schwendener Architekten, Zürich, mit Kuhn Landschaftsarchitekten, Zürich
– 3. Rang: Bosshard Vaquer Architekten, Zürich
– Weitere Teilnehmer: Kim Strebel Architekten, Aarau, mit naef landschaftsarchitekten, Brugg; Lütolf und Scheuner Architekten, Luzern

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