Blick vom Eingangsbereich über den Innenhof zum Besucher- und Ofenraum.

«Die Anlage trennt und vereint»

Bernhard Maurer und Frederic Garrigues-Cortina gewinnen den Wettbewerb für das Krematorium auf dem Friedhof am Hörnli in Basel. Bernhard Maurer beantwortet unsere drei Fragen.



Was ist die Erfindung am Siegerprojekt?
Bernhard Maurer: Ein schwieriger Punkt war das Programm in eine Form zu bringen, die der Gleichzeitigkeit eines profanen Prozesses und der tiefen Emotionen im Angesicht der Sterblichkeit entspricht. Weniger durch Erfindung, eher durch die Verwebung von Voraussetzungen, fanden wir zu einer zweischichtigen Anlage, die Besucher und Betrieb trennt, aber als zwei abhängige, nebeneinanderliegende Raumsequenzen in einem Gebäude vereint. Dadurch entstand für die Besucher eine lineare, parallel zur Hauptallee verlaufende Serie von Innen- und Aussenräumen, die der Trauergemeinschaft eine sanfte Annäherung an den Moment der Verabschiedung erlaubt.

Wie verhält sich das Projekt zur Umgebung?
In Form eines klaren, geometrischen Gartens kontrastiert der Friedhof am Hörnli den willkürlichen und in diesem Fall schmerzlichen Lauf der Natur. Wir haben versucht, uns diesem Grundton unterzuordnen. So spannen bestehende Gebäude- und Wegfluchten und klare Linien und Flächen den Gebäudekörper auf. Zur Hauptallee erscheint die Fassade eher als Mauer und rückt die Bäume in den Vordergrund; zwischen Bestand und Neubau entsteht ein vermittelnder, vom Hauptweg abgerückter Platz.

Wo lagen die grössten Schwierigkeiten im Wettbewerb?
Im Programm war der eigentliche Besucherraum mit nur 20m2 veranschlagt, weniger als 2% der Gesamtfläche waren also öffentlich. So lag ein Hauptaugenmerk darauf, vorgelagerte, zunehmend intimer werdende Zwischenräume zu schaffen, die sich vom weiten, öffentlichen Raum des Friedhofs am Hörnli abgrenzen.

Ersatzneubau Krematorium Friedhof am Hörnli, Basel

Offener Projektwettbewerb mit 80 Teams für den Kanton Basel-Stadt
– 1. Rang: Architekturbüro Bernhard Maurer, Zürich, und Frederic Garrigues-Cortina, Paris; mit Ewen Le Rouic Paysage, Lyon; Bollinger et Grohmann, Paris
– 2. Rang: Kast Kaeppeli Architekten, Basel
– 3. Rang: Nuno Brandão Costa Arquitecto Unipassoal, Porto; mit Rüst & Gerle Architekten, Basel
– 4. Rang: Andres Sabbadini Architekten, Zürich
– 5. Rang: Conen Sigl Architekten, Zürich
– 6. Rang: Graser Architekten, Zürich
– 7. Rang: Scheibler & Vilard, Basel

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