Ivo Bösch ist Redaktor bei Hochparterre Wettbewerbe.

«Der offene Wettbewerb ist alles, was Architektur ausmacht»

Oft laufen Geschichten hinter unseren Geschichten, die im fertigen Artikel nicht auftauchen. Hier erzählt Ivo Bösch von der Arbeit am Themenheft zum offenen Wettbewerb.

Kommentare

David Vogt 13.03.2020 15:32
Liebes HOCHPARTERRE-Team Lieber Ivo Bösch Ich bin ein grosser Freund und Vertreter des offenen Wettbewerbs, aber auch von anderen Verfahren - es kommt auf die konkrete Aufgabe an. Euer Heft, aber insbesondere das begleitende Video finde ich irritierend. Es gibt fallweise sehr gute Gründe für selektive Verfahren. Hier sofort Befangenheit und Seilschaften auszumachen setzt eine grosse Anzahl von professionellen und engagierten MitstreiterInnen unter Generalverdacht. Wieso soll der selektive Projektwettbewerb nicht auch einen wichtigen Beitrag zur Forschung und Baukultur leisten können? Tiefpunkt des Videos finde ich den Hinweis darauf, dass die Stadt Zürich einen finanziellen Beitrag leisten wollte, ihr es aber nicht für "opportun" haltet, dass sich diese (auf diese Art) "reinwäscht". Sieht HOCHPARTERRE einen finanziellen Beitrag einer nachweislich höchst kultivierten Bauherrschaft als Ablasshandel? Einer Bauherrschaft, die sich seit Jahrzehnten für faire und baukulturell hochstehende Verfahren einsetzt, soll quasi auf die Finger geklopft werden, weil angeblich "viele Leute sagen", dass sie noch immer "zu wenig machen". Ich finde es höchst bedauerlich und unklug, diejenigen Bauherrschaften vor den Kopf zu stossen, die eigentlich treue Mitstreiter für die gute Sache sind. Wenn etwas zum Guten verändert werden soll, so sind Brücken zu bauen, nicht Gräben ziehen. Beste Grüsse David
Ivo Bösch 16.03.2020 11:49
Lieber David, unser Themenheft zeigt, dass es wenige bis keine guten Gründe gibt Projektwettbewerbe im offenen Verfahren nicht durchzuführen. Man sollte die Wirkung unsere Hefte nicht überschätzen, trotzdem hoffe ich, dass mit dem Heft öffentliche Bauherren wieder vermehrt begründen müssen, warum sie keine offene Verfahren durchführen. Denn sie stehen in der Pflicht, auch Dein Arbeitgeber der Kanton Zürich. Deine Reaktion zeigt mir übrigens, dass uns das ein wenig gelungen ist. Mein geäusserter Genreralverdacht bezieht sich nicht auf «MitstreiterInnen», sondern auf das Verfahren der Präqualifikation an sich. Den Anschein von Befangenheit lässt sich leider nicht wegdiskutieren, auch wenn alle Beteiligten sich noch so Mühe geben. In diesem Zusammenhang möchte ich auf einen Artikel hinweisen, im neuen Hochparterre Wettbewerbe 1/2020, der zwei ähnliche Wettbewerbe vergleicht, der eine offen, der andere selektiv: «Eine Aufgabe, zwei Verfahren». Dort loben wir übrigens die Stadt Zürich, genauso wie im Video oder im Themenheft. Wir loben sie für all die offenen Wettbewerbe, trotzdem bin ich (und viele andere Architekten auch) der Meinung, Stadt und Kanton Zürich könnten, mehr offenen Verfahren ausschreiben. Wie das Themenheft auch zeigt, gibt es nämlich Bauherrschaften, die deutlich mehr für das offene Verfahren tun. Ich denke mit der Forderung nach (noch) mehr offenen Verfahren stossen wir keine Bauherrschaften vor den Kopf. Mindestens ist das nicht unsere Absicht. Der Projektwettbewerb im offenen Verfahren sollten in der Deutschschweiz bei öffentlichen Bauhheren wieder zum Normalfall werden, der selektive die zu begründende Ausnahme. Die letzten sechs Jahre ging die Entwicklung leider in die entgegengesetzte Richtung. In diesem Sinn, werden wir auch keine Ruhe geben, Herzlich Ivo Bösch, Hochparterre Wettbewerbe
Kommentar schreiben
Ich kann das Bild nicht lesen