Schulzimmer

Das Schulhaus als ideelles Dorf

Das junge Büro Felgendreher Olfs Koechling aus Berlin gewinnt den offenen Wettbewerb für das neue Primarschulhaus in Azmoos.

Dass ein junges Büro aus dem Ausland einen offenen Wettbewerb in der Schweiz gewinnt, ist ein eher ungewöhnliches Vorkommnis. Man weiss es und möchte seine ausländischen Kollegen warnen: Den Schweizer Juroren bleiben die ausländischen Ideen meist fremd und unverständlich. Das fängt beim städtebaulichen Konzept an und endet bei der Plandarstellung. Wer die Codes der hiesigen «Architekturkultur» nicht kennt, scheidet schon in der ersten Runde aus – nicht immer, aber sehr oft.

Etwas Fremdartiges haftet zweifellos auch dem prämierten Projekt von Felgendreher Olfs Köchling Architekten aus Berlin an. Schaut man das Modell an, denkt man an eine Industriehalle mit Sheddächern. Schaut man die Südfassade an, sieht man ein lang gestrecktes Holzgebäude. Schaut man die Westfassade an, entdeckt man fünf aneinandergereihte Appenzellerhäuser. Was auf den ersten Blick irritierend wirkt, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als eigenwillige, aber durchaus intelligente und räumlich spannende Lösung. Man muss der Jury zustimmen: Es ist ein «ungewöhnliches Schulhausprojekt», das die «herkömmlichen Konventionen aufbricht».

Zur Aufgabe stand ein Neubau mit Kindergarten, Schulzimmern und Turnhalle für zweihundert Schüler. Die Jury lobt am Siegerprojekt die «präzise Analyse des Ortes» sowie die Auseinandersetzung mit zukunftsgerichteten Unterrichtsformen und kindgerechten Raumdimensionen. «Das Obergeschoss gleicht ideell einem kleinen Dorf mit ‹Dorfplatz›, der Halle und Korridoren, den ‹Strassen›, die zu den ‹Häusern›, den Klassenräumen, führen», beobachtet die Jury. «Im Querschnitt wird eine unkonventionelle Raumidee aufgezeigt. Die geringe Raumhöhe beim Fenster erinnert an bekannte Höhenverhältnisse von Zuhause. Der Raum entwickelt sich dann zu einem höheren Giebelraum – jedes Schulzimmer ist wie ein kleines Haus oder eine kindergerechte Schulstube, die von oben zusätzliches Licht bekommt.» Das Schulhaus zeige sehr schöne räumliche Situationen auf und entspreche in seiner Massstäblichkeit dem Kind, lobt das Preisgericht – «ingesamt ein poesievoller Beitrag, der aussen wie  innen den Anforderungen gerecht wird und dem Ort eine neue Identität verleiht.»

Für Missmut bei den Teilnehmern sorgte derweil der Jurybericht: Die «Projektdokumentation», die doch ersichtlich machen sollte, welche Lösungen warum prämiert wurden, entpuppte sich als eine Sammlung verwackelter Smartphone-Aufnahmen.  

Neubau Primarschulhaus Feld, Azmoos
Offener, einstufiger und anonymer Projektwettbewerb für die Schulgemeinde Wartau
Fachjury: Hubert Bischoff, Dieter Jüngling, Andreas Senn, Bruno Bossart
– 1. Rang: Felgendreher Olfs Koechling Architekten, Berlin
– 2. Rang: Weck Gonzalo Architekten, Zürich
– 3. Rang: ARGE Fischer Ammann Architekten, Zürich
– 4. Rang: Gohm Hiessberger Architekten, Feldkirch
– 5. Rang: Raphael Zuber, Chur
– 6. Rang Simon Staudacher Architekt, Zürich
– 7. Rang Armin Benz Martin Engeler Architekten, St. Gallen

Ausstellung bis zum 19. Juli in der Turnhalle des Oberstufenzentrums Seidenbaum, Seidenbaumstrasse 1, Trübbach (SG). Mo-Fr 16-19 Uhr, Sa/So 10-12 und 15-17 Uhr.

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