Aussenperspektive Winterthurerstrasse

Bestechend (aber noch zu hoch)

Das Atelier Abraha Achermann gewinnt den Projektwettbewerb für den Neubau der genossenschaftlichen Wohnhäuser an der Winterthurerstrasse in Zürich.

Die «Untere Winterthurerstrasse» ist die erste Etappe der Gründersiedlung der Baugenossenschaft Oberstrass. Trotz gutem Gebäudezustand hat sich die Genossenschaft zu einem Neubau entschieden: ausschlaggebend war die Lärmbelastung der Strasse, das Fehlen von altersgerechten Wohnungen mit Lifterschliessung sowie die grosse Anzahl kleiner Dreizimmerwohnungen. Während BDE Architekten (2.Rang) eine formale Anlehnung ans giebeldächige Original versuchten, Knapkiewicz & Fickert (3. Rang) ihre Auseinandersetzung mit dem polygonalen Grundriss weiterführten und Edelmann Krell (4. Rang) dem 45°-Winkel huldigten, schlugen Abraha Achermann zwei strassenbegleitende Baukörper mit «explizit städtischen Ausdruck» vor und gewannen damit den 1. Rang.
Gekonnt werde das Gebäude mit architektonischen Mitteln gegliedert, schreibt das Preisgericht und verweist insbesondere auf die vertikalen Erker auf der Strassenseite: Sie liessen die beiden obersten Geschosse optisch zurücktreten, wodurch die Trauflinie auf Höhe des fünften Geschosses gelesen werde und einen Bezug zu den umliegenden Gebäudehöhen herstelle. Ausserdem, so der Bericht des Preisgerichts, besteche das Projekt durch eine «sehr gute Organisation» und «vielfältige und schöne Grundrisse» (die Gartenwohnungen zur Hofseite sind als Maisonetten ausgebildet, im ersten und dritten Obergeschoss gibt es überhohe Essbereiche).
Dass das Siegerprojekt momentan trotzdem überarbeitet wird, liegt an seiner Höhe, bzw. an der Vorgabe des Wettbwerbs mit einem Richtwert von 140 Wohnungen: «Stark vereinfacht», schreibt das Preisgericht dazu, «kann festgestellt werden, dass bei den niedrigen Vorschlägen die Baukörper tendenziell zu massig sind und bei den schlanken die Lösungen sie eher zu hoch in Erscheinung treten. Das Preisgericht musste bei seiner Beurteilung zur Kenntnis nehmen, dass trotz vielfältiger und interessanter Lösungsansätze keines der abgegebenen Projekte letztlich städtebaulich komplett und in allen Belangen zu überzeugen vermochte.» Mit dem Entwurf von Abraha Achermann sei schliesslich ein Projekt ausgewählt worden , «das – bei sehr hohem Potenzial auf allen Ebenen – mit einer Reduktion des Mengengerüstes nach einer Weiterbearbeitung ein äusserst qualitätvolles Projekt verspricht.» Wie der Medienmitteilung der Baugenossenschaft Oberstrass zu entnehmen ist, rechnet man neu mit etwa 120 Wohnungen.


Ersatzneubau Untere Winterthurerstrasse , Zürich

Projektwettbewerbs mit Präqualifikation für die Baugenossenschaft Oberstrass
Fachjury: Peter Baumberger, Sibylle Bucher, Lorenz Eugster, Sabine Herzog, Alex Jaeggi, Marc Loeliger
– 1. Rang: Atelier Abraha Achermann, Zürich, mit Kolb Landschaftsarchitektur, Zürich
– 2. Rang: BDE Architekten, Winterthur, mit Balliana Schubert Landschaftsarchitekten, Zürich

– 3. Rang: Knapkiewicz & Fickert Architekten, Zürich, mit Tremp Landschaftsarchitekten, Zürich
– 4. Rang: Edelmann Krell Architekten, Zürich
Weitere Teilnehmer:
– Esch Sintzel Architekten, Zürich
– Guignard & Saner Architekten, Zürich
– Harder Spreyermann Architekten, Zürich
– Joos & Mathys Architekten mit Alberto dell Antonio, Zürich
– Lütjens Padmanabhan Architekten, Zürich
– Schneider Studer Primas Architekten, Zürich
– von Ballmoos Krucker Architekten, Zürich
– Atelier Scheidegger Keller, Zürich (Nachwuchs)
– Ciriacidis Lehnerer Architekten, Zürich (Nachwuchs)
– Mirlo Urbano Architekten mit Clou Architekten, Zürich (Nachwuchs)

Ausstellung bis Freitag, 31. März 2017 von jeweils 17 - 19 Uhr und am Samstag, 1. April von 10-12 Uhr im Gemeinschaftsraum der Baugenossenschaft Oberstrass, Winterthurerstrasse 117, Eingang auf der Gebäuderückseite (Tram 9 und 10 / Haltestelle Langmauerstrasse)

Kommentare

hans fischer-liu 02.04.2017 16:44
zu hoch ?......ich wohn ja dort ...sorry...h
Andreas Konrad 03.04.2017 13:10
Ja hoffentlich überleben die feinen Auskragungen und die schönen, fast schon poetischen «englischen» Fenster die Planungsphase. In Zürich ist man sich da nie so sicher. Passen die Architekten nicht auf wie ein Heftlimacher, mutiert das malerische Projekt zum trostlosen Blöckli. Bauherren aufgepasst: So bauen!
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