Die erste Nummer der ‹Aktuellen Wettbewerbs-Scene›, September 1973

Aus der eigenen Vergangenheit

Diese Woche erscheint das zweite ‹Hochparterre Wettbewerbe› in neuem Design. Es ist die 233. Ausgabe einer Zeitschrift, die früher einmal ‹Aktuelle Wettbewerbs-Scene› hiess. Eine Spurensuche.

Die erste Nummer der ‹Aktuellen Wettbewerbs-Scene›, einem ‹Fachjournal für Architektur und Baudesign›, erschien im September 1973. Man findet sie in der Zeitschriftensammlung der ETH-Baubibliothek am Hönggerberg, abgelegt unter der Signatur Per A 5402. Als Verlag wird das ‹Studio 32› an der Klosbachstrasse 123 in Zürich angegeben, als offenbar allein verantwortlicher Redaktor ein Mann mit dem sprechenden Namen P. Macher. 

Der Anlass zur Lancierung eines neuen Hefts und der Grund, warum Initiant Macher an den Erfolg des «gewagten Unternehmens» glaubte, war das Fehlen eines Mediums, das die aktuellen Entwicklungen in der Schweizer Architektur reflektierte. «Fast alle uns zur Verfügung stehenden Fachzeitschriften präsentieren uns ein Ideengut, das bis zu zehn Jahre zurückliegt und damit in der heutigen Zeit bestimmt nicht mehr als aktuell bezeichnet werden kann», schreibt P. Macher. Mit der Publikation frischer Wettbewerbsbeiträge statt ideell bereits veralteter Neubauten würde die ‹Aktuelle Wettbewerbs-Scene› deshalb eine echte Lücke füllen.

Die im Grusswort formulierte Absicht, «Entwicklungen, Trends und Richtungen» aufzuzeigen und den Leserinnen und Lesern so eine Art aktueller Bibliothek zur Verfügung zu stellen, gilt in den Grundzügen auch für das heutige ‹Hochparterre Wettbewerbe›. Anders jedoch als in den 1970er-Jahren, wo Architekten «unter schlechtesten Bedingungen an den Ausstellungen mit der eigenen Instamatic die Wettbewerbsarbeiten fotografiert haben», sind Juryberichte heute meist digital zugänglich. Der Fokus unseres Hefts hat sich deshalb kontinuierlich verlagert: von der blossen Dokumentation zur kuratierten Auswahl, zur Themensetzung und zur inhaltlichen Diskussion. 

Macher hiess mit Vornamen Peter. Anfang der 1980er-Jahre verkaufte Peter Macher (1948-2016) seine Zeitschrift an das Architekturbüro Wäschle Wüest. Hochparterre übernahm 2001 und änderte ein Jahr später den Titel. Peter Macher wiederum wurde zu einer wichtigen Figur der Zürcher Wohnbaupolitik. Als SP-Mitglied sass er 29 Jahre im Bezirksrat, war Mitgründer der selbstverwalteten Genossenschaft Wogeno, Mitinitiant und Verfechter der Stiftung PWG für preiswerten Wohn- und Geschäftsraum in der Stadt Zürich sowie langjähriger Stiftungspräsident der Jugendwohnhilfe. Auch das eine schöne Entwicklung.

Cover der bevorstehenden Ausgabe von Hochparterre Wettbewerbe (Illustration: Alina Günter)

Die 233. Ausgabe der Zeitschrift erscheint Ende dieser Woche. Aus dem Inhalt von Hochparterre Wettbewerbe 2/2020:

Le plan parlant: Was ein Grundriss erzählt – und was er verschweigt
Das Projekt von Notaton für das Kantonsgericht in Liestal ruft eine alte Tugend in Erinnerung: die Architekturzeichnung als eigenständiges Kunstwerk.
Erweiterung und Umbau Kantonsgericht BL, Liestal
 
Rings die Herrlichkeit der Berge
Graber & Steiger erfinden für die Seilbahn nach Rigi Kaltbad eine Architektur zwischen Nüchternheit und Spektakel.
Tal- und Bergstation, Seilbahn Weggis-Rigi Kaltbad
 
Deux villes face à leur héritage urbain respectif
Les offres programmatiques et spatiales sont à faire évoluer dans les cœurs de ville. Lausanne et Meyrin y répondent par deux types de procédures bien différents.
Riponne / Tunnel, Lausanne
Cœur de cité, Ville de Meyrin

 
Denken in Strukturen
Atelierbesuch bei NYX Architectes, die kürzlich gerade zwei Wettbewerbe für sich entscheiden konnten.
Neubau Dreifachsport- und Mehrzweckhalle, Hitzkirch
Neubau Mehrzweckhalle, Kindergarten- und Schulräume, Müllheim

 
Gläserne Krone und entblösste Struktur
Die Militärkaserne Zürich soll zu einem Bildungszentrum werden. Spillmann Echsle Architekten hauchen dem trutzigen Bau frischen Geist ein.
Kasernenareal, Gesamtinstandsetzung und Umnutzung der Militärkaserne, Zürich
 
Bildersturm: Der Wert der Idee
Vor neun Jahren gewann das junge Architekturbüro Gunz & Künzle den Wettbewerb für ein Institutsgebäude der Universität Zürich. Wir blicken zurück.

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