Siegerprojekt von lilin architekten

Architekten im Dichtestress

Bis 2014 baute die Firma Rüttimann noch Möbel auf dem Areal in Siebnen im Kanton Schwyz. Die Besitzerfamilie will ihre Fabrik umgestalten. Den Studienauftrag gewonnen haben lilin architekten.

Ernüchternd war der Besuch der Wettbewerbsausstellung. Die Architekten hatten offensichtlich Mühe einen vernünftigen Umgang mit den Bauten der ehemaligen Möbelfabrik zu finden. Wer kennt sie nicht, die Passerelle über die Kantonsstrasse? Die ehemaligen Fabrikbauten sind ihrer Bedeutung entsprechend auch im Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz von nationaler Bedeutung (ISOS). Die einen Architekten machen Tabula rasa, andere wollen nur einen Teil der Gebäude schleifen und wieder andere versuchen mit Anbauten den Fabrikbauten Herr zu werden. So geben die einen die Identität des Orts auf, andere können nicht klar machen, warum sie nur die einen Häuser abreissen und die Dritten schaffen viel zu grosse Volumen. Duplex mit Nele Dechmann wiederum machen aus den Fabriken Aussenräume und lassen Fassaden stehen. Die Neubauten überzeugen, doch war der Jury dieser Vorschlag zu intellektuell.
Zur Ehrenrettung der Architekten: Die Flächenvorgaben waren mit 30 000 Quadratmetern Geschossfläche gross. Zu gross, wie die Jury selbst merkte. Nach den Zwischenbesprechungen kürzte man die Geschossfläche auf 25 000 Quadratmetern. Wer die Fabriken stehen liess, schaffte nur etwa einen Fünftel der Fläche darin unterzubringen, während damit schon die Hälfte des Areals besetzt war. Darum war es so schwierig ein klares städtebauliches Konzept einzupassen, zumal die stark befahrene Kantonsstrasse das Areal auch noch teilte.
Der erste Rang von lilin architekten muss für die Jury eine Erlösung gewesen sein. Einfach und selbstverständlich ist das städtebauliche Konzept. Die neuen Volumen stehen an und neben den Neubauten. Sie orientieren sich volumetrisch und formal an der Sprache des Bestands, wie die Jury schreibt. Und wichtig: Das Siegerprojekt verspricht in allen Phasen und Etappen der Realisierung ein stimmiges Bild. Noch funktioniert der Vorschlag nicht auf allen Ebenen, aber mit dem gelungenen Städtebau ist eine gute Basis gelegt.

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