Die Fassade erinnert an einen Palazzo. Ausstellstoren und Schiebeläden unterstreichen die klassische Gliederung. (Foto: Filipa Peixeiro)
Im Auftrag von Kästli & Co.

Raffinierter Klassiker

Beim Hauptsitz der Obwaldner Kantonalbank ist der Sonnenschutz ein zentrales Gestaltungselement, das einen Kontrapunkt zur ruhenden Fassade setzt. Die Ausstellstoren sind elegant wie technisch ausgeklügelt.

Vertrauenswürdigkeit, Diskretion, Qualitätsbewusstsein und lokale Verankerung – wer diese Eigenschaften an einer Bank zu schätzen weiss, wird sich im neuen Hauptsitz der Obwaldner Kantonalbank wohlfühlen. Der kompakte Bau mit der auberginefarbenen Holzfassade steht noch etwas allein an der Peripherie von Sarnen, wo ein Wohnquartier auf Gewerbe und Industrie trifft. Bald soll um ihn herum das städtische Quartier Sarnen Nord wachsen. Das Architekturbüro Seiler Linhart hat auf diesen Kontext mit einem fünfgeschossigen Bau auf quadratischem Grundriss reagiert, dessen Fassaden allseitig demselben Raster und Gestaltungsprinzip folgen. Das hölzerne Raumfachwerk, das Wände und Decken trägt, gibt den Takt der raumhohen Fenster vor. Sägeraue Fichtenbretter, druckimprägniert und lasiert, bekleiden die Fassadenstützen und Deckenstirnen. Wechselnde Stärken und Laufrichtungen, Brett- und Fugenbreiten erzeugen Tiefe und Noblesse. «Durch den Palazzo-Typus und die detailreiche Fassade wirkt das Gebäude der Nutzung entsprechend repräsentativ. Das Material Holz holt es in den lokalen Kontext», sagt Architekt Patrik Seiler. Das verwendete Holz stammt ausschliesslich aus der Region – und auch die Handwerksbetriebe, die es verarbeiteten, sind regional verankert.
 

Lebendig: Durch die Nutzung der Sonnenschutzelemente verändert sich der Charakter des Gebäudes im Tagesverlauf. (Foto: Seiler Linhart)
Elegant und kräftig: Dank Gasdruckzylindern ist die filigrane Ausstellstore Sunlux 6013 besonders windstabil. (Foto: Filipa Peixeiro)

Die ruhende Holzfassade ergänzend, sorgen Sonnenschutzelemente für ein bewegliches Kleid. «Der Sonnenschutz ist ein starker gestalterischer Aspekt der Fassade», sagt Seiler. «Durch das Öffnen und Schliessen verändert sich der Charakter des Hauses im Tagesverlauf.» Im Erdgeschoss und im Piano nobile gehen Kundinnen ein und aus. Dort filtern Aluminiumschiebeläden das Licht und schützen vor Einblicken. Die Bürogeschosse verfügen über textile Ausstellstoren von der Firma Kästli. Die Ausstellfunktion verleiht der Fassade eine zusätzliche Dimension und ist auch im Inneren ein Gewinn. «Ausstellstoren verschatten den Raum, ohne ihn zu verschliessen. Am Tisch sitzend, kann man immer noch den Ausblick geniessen», erklärt Geschäftsführer Marc Kästli. Die Kästli-Ausstellstore ist die modernere Version der klassischen ‹Schulhausstore›, die seit Generationen bei Büro- und Bildungsbauten und heute oft auch bei Denkmalschutzobjekten zum Zug kommt. Statt der blickdichten Stoffe, die viele noch aus der Schulzeit kennen, hat Kästli aber ein technisches Gewebe verwendet. Von aussen opak, lässt es wenig Sonnenlicht passieren – wer von innen hindurchblickt, kann die Aussenwelt dennoch deutlich erkennen. Weniger augenscheinlich ist die technische Besonderheit, die die Verwendung von Ausstellstoren im windigen Sarnen überhaupt ermöglicht hat. Denn sollen die Storen das Gebäude vor Überhitzung schützen, darf sich der Windsensor nicht bei jedem Lüftchen melden. Beim Modell Sunlux 6013 von Kästli drücken in den Führungsschienen mitlaufende Gasdruckzylinder die Arme nach aussen. Dank der raffinierten Konstruktion halten die Storen Windbelastungen von bis zu 60 Stundenkilometern stand.

Passgenau: in den Fenstersturz integrierte Stoffrolle, in die Laibungen eingelassene seitliche Führungsschienen.

Dass die anodisierten Aluminiumprofile dabei erstaunlich filigran wirken, ist kein Zufall, sondern eine Spezialität der Firma Kästli. Der Storenbauer mit drei Standorten in der Schweiz entwickelt und produziert seine Palette von A bis Z selbst. Nebst Lösungen in Aluminium bietet er auch welche in Stahl an. Viele Architekten wählten Kästli-Storen aufgrund der eleganten Profile, sagt der Geschäftsführer – und weil die Firma individuelle Lösungen ermögliche: «Mit eigener Schlosserei, Näherei und Entwicklungsabteilung haben wir alles in der Hand. Abweichungen vom Standard sind unsere Stärke.» Bei Neubauten hätten die Kunden oft nur kleine Anpassungswünsche, zum Beispiel im Bereich der Befestigungskonsolen. Möglich ist aber vieles – im Denkmalpflegebereich etwa baut die Firma ganze Storen nach historischen Vorbildern nach. Dass Kästli das handwerkliche Können und Wissen noch pflegt, weiss Architekt Patrik Seiler zu schätzen: «Man wird gut beraten, kann über Details diskutieren und erhält qualitativ wie ästhetisch ein hochstehendes Produkt.» Ihre Leidenschaft für das lokale Handwerk teilen sich der Architekt und der Storenbauer. Und das ist dem Sarner Bankgebäude anzusehen. 

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