Die neue Schulanlage Wiesental in Baar von Penzisbettini Architekten Fotos: Federico Farinatti
Im Auftrag von BWB Oberflächentechnik

Mehr als einfach dunkelgrün

Das Eloxieren bietet einen bewährten Schutz von Aluminiumoberflächen. Beim Spezialverfahren Permacolor erzeugen Metallsalze eine in einem breiten Farbspektrum schimmernde Oberfläche.

Für 400 Schulkinder in Baar war der Schulbeginn nach den Sommerferien noch spezieller als sonst: An diesem Tag im August durften sie das neue Schulhaus Wiesental samt Dreifachturnhalle in Besitz nehmen. Und das ist erst der Anfang: Bis 2027 folgen drei weitere Häuser. Sie alle ersetzen Altbauten, die Ende der 1960er-Jahre schnell und daher wenig stabil errichtet wurden. Mit Gesamtkosten von rund 100 Millionen Franken ist der Neubau der Schulanlage Wiesental eines der grössten Projekte, die die Gemeinde je gestemmt hat.

Holz und grünes Metall prägen die Erscheinung des Neubaus...

...und verbinden innen und aussen.

Holz als hauptsächliches Konstruktionsmaterial und grünes Metall prägen die Erscheinung des von Penzisbettini Architekten entworfenen Schulhauses. Ob die Kinder bemerkt haben, dass die Metallteile nicht einfach homogen dunkelgrün sind, sondern je nach Lichteinfall in unterschiedlichen Farbnuancen schimmern? Denn die Teile wurden nicht pulverbeschichtet oder einbrennlackiert, sondern von der Firma BWB Oberflächentechnik mit einem Spezialverfahren eingefärbt: Permacolor heisst das Verfahren, Permagreen die realisierte Anwendung. Der Architekt Daniel Penzis suchte ein robustes Material, dessen Oberfläche nicht zusätzlich aufgetragen, sondern selbst Bestandteil des Materials ist. Dafür ist das Eloxieren von Aluminium eine bewährte Methode: Durch anodische Oxidation wird auf der Oberfläche eine Schutzschicht erzeugt, die eine weitere Oxidation und damit verbundene Veränderungen der Oberfläche verhindert. Anders als etwa beim Galvanisieren wird dabei keine zusätzliche Schicht auf das Metall aufgetragen, sondern die oberste Materialschicht selbst wird umgewandelt. Durch die Zugabe von Pigmenten lässt sich das Aluminium zudem einfärben. Ein weiterer Vorteil des Eloxierens: Das Aluminium bleibt sortenrein, was bei einem allfälligen späteren Rückbau ein grosser Pluspunkt ist.

An der Schule Wiesental kam für das Eloxieren der Aluminiumbauteile das Spezialverfahren Permacolor der Firma BWB zur Anwendung. Dabei werden keine Farbpigmente eingesetzt, sondern spezielle Metallsalze in der Oberfläche eingelagert, die das Licht streuen. Dadurch variiert das Farbspektrum je nach Blickwinkel, Sonneneinstrahlung und Form des Bauteils. Permacolor ist zurzeit in zwei blauen und zwei grünen Farbbereichen erhältlich. ‹Farbbereiche› – und nicht etwa ‹Farben›, denn die irisierende Oberfläche kann das ganze Spektrum eines Regenbogens erzeugen.

Im Innenraum werden die Aluminiumbauteile...

...als Tür- und Wandverkleidungen eingesetzt.

Bereits im Vorprojekt hatten sich die Architekten für Aluminiumbauteile im Farbbereich Permagreen entschieden. Und schon damals war klar, dass sowohl Fassadenteile als auch Tür- und Wandverkleidungen in diesem Material ausgeführt werden sollen. Da es sich um ein Spezialverfahren handelt, war die umfassende Beratung zentral. BWB informierte die Architekten wie auch die Verarbeiter über die Besonderheiten von Permacolor. Dazu zählt auch der relativ grosse Toleranzbereich in der Farbigkeit – die Kundschaft soll wissen, welches Endergebnis sie erwarten kann. Hatte BWB zu Beginn der Ausschreibung noch wenig Erfahrung mit der qualitativ konstanten Herstellung dieser speziellen Oberfläche, konnte das Unternehmen bis zur Umsetzung der Schule Wiesental bereits wertvolles Know-how sammeln. Beim Schulhausprojekt in Baar war das Mock-up der Fassade ein Schlüsselerlebnis für Penzisbettini Architekten. BWB präsentierte ihnen an einem 1:1-Muster drei unterschiedliche Eloxal-Oberflächen, von denen schliesslich Permagreen zur Ausführung bestimmt wurde. Daniel Penzis: «Erst in der 1:1-Situation liess sich die Wirkung der irisierenden Oberfläche im Zusammenspiel von Licht, Proportion und Umgebung zuverlässig beurteilen.»

Neben den Bauteilen im Aussenbereich – Fensterelemente der Längsfassaden, Abdeck- und Dachrandbleche sowie Briefkästen – setzten die Architekten Permagreen auch im Innern des Schulhauses ein, etwa an Gitterwänden zwischen Materiallager und Korridoren oder als Abdeckung von Klimakonvektoren und Verbundlüftern. Zusammen mit dem Holz wurde das Material so zu einem verbindenden Element von innen und aussen. «Permagreen verleiht der Schulanlage Wiesental ihre charakteristische Präsenz – technisch präzise umgesetzt durch die enge Zusammenarbeit mit BWB», fasst Daniel Penzis zusammen. 

Die neue Schulanlage Wiesental in Baar von Penzisbettini Architekten

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