Gefaltet, nicht gerollt
Anders als traditionelle Rollläden ermöglichen Faltrollläden schlanke Konstruktionen. Ein breiter Abstand zwischen den Stäben lässt bei Bedarf Licht und Luft hindurch.
Nach dem Konzept des Zürcher Stadtbaumeisters Albert Heinrich Steiner erstellte die Baugenossenschaft Glattal in den 1940er- und 1950er-Jahren 718 Wohnungen im Schwamendinger Dreieck zwischen der Dübendorfer- und der Winterthurerstrasse. Nun sollen sie sukzessive ersetzt werden. Den Anfang macht die Siedlung Schuppis. BS + EMI Architektenpartner haben sechs schlanke, quer zur Strasse gestellte Zeilenbauten entworfen. Die 90 Meter langen Häuser sind nicht gerade, sondern wirken leicht gestaucht, was differenzierte Aussenräume erzeugt. Die Fassaden bestehen aus Faserzementplatten, deren kreuzförmige Oberfläche eine Netzstruktur bildet. In der monochrom graubeigen Fassade sitzen die Fenster in unterschiedlichen Formaten – die meisten geschosshoch, etliche übers Eck aufgefächert. Rollläden schützen vor Licht und Wärme und dämmen den Strassenlärm. So weit, so gewöhnlich. Oder doch nicht?
Wer genau hinschaut und weiss, wie aussengedämmte Fassadenkonstruktionen mit Rollläden normalerweise aufgebaut sind, dürfte überrascht sein von der geringen Laibungstiefe. Augenfällig ist das vor allem an den Eckfenstern. Man fragt sich: Warum kommen sich hier die Rollladenkästen nicht in die Quere? Die Antwort: Dahinter steckt eine raffinierte Konstruktion, der Faltrollladen ‹Regapak®›. Zwar werden die Rollläden auch hier über eine Walze geführt, doch die ist weder rund, noch nimmt sie die aufgerollten Stäbe in herkömmlicher Weise auf. Vielmehr ist sie im Querschnitt quadratisch und leitet die einzelnen Stäbe so um, dass sie zusammengefaltet und gestapelt werden.
Die Firma Regazzi mit Sitz im Tessin hat bei den drei Häusern der zweiten Bauetappe insgesamt 581 Stück dieser Faltrollläden eingebaut – alle in der Farbe NCS S1010-G90Y. Aufgrund der speziellen Konstruktion wächst das Rollladenpaket nicht in die Breite, sondern nur in die Höhe, was besonders schlanke Laibungen ermöglicht. Dabei gibt es zwei Varianten: Im Normalfall werden die Aluminiumstäbe in Zweierpaketen aufeinandergestapelt. Möglich sind aber auch Dreierpakete, die eine etwas grössere Bautiefe, aber eine geringere Höhe erfordern. Der Antrieb erfolgt wahlweise elektrisch oder mittels Kurbel.

Im geschlossenen Zustand bilden die Hohlprofile aus Aluminium eine schlichte, plane Oberfläche. Zwecks besserer Wärme- und Schalldämmung lassen sie sich auch ausschäumen. Speziell und für Rollläden aussergewöhnlich ist der grosse Stababstand von 9 Millimetern zwischen den einzelnen Stäben. In der Lüftungsposition kann so genügend Luft zirkulieren, und im Raum erzeugt der Faltrollladen ‹Regapak®› bei Sonnenschein eine angenehme Stimmung mit gefiltertem Tageslicht. Wenn man den Rollladen ganz herunterlässt, greifen die Stäbe ineinander und schliessen die Fläche lichtdicht ab. Filigrane, stabile Haken aus Chromnickelstahl verbinden die einzelnen Stäbe und ermöglichen den grossen Zwischenraum.
Die Firma Regazzi wurde 1946 gegründet, war zuerst im Fensterbau tätig, bis sie schliesslich in den 1960er-Jahren anfing Rollläden zu produzieren. Heute liegt der Fokus auf Aluminiumrollläden unterschiedlicher Art. Die Produktion der Faltrollläden erfolgt zu 100 Prozent in der Schweiz. Die Pulverbeschichtung erfolgt durch ein Partnerunternehmen im selben Haus. Das ermöglicht es, unkompliziert und rasch auf Sonderwünsche hinsichtlich der Farbe zu reagieren. Ein grosser Teil der Fertigung geschieht in Handarbeit. Die Innovationen des manufakturähnlichen Betriebs wurden schon entsprechend honoriert: Regazzi wurde mit dem Red Dot Award ausgezeichnet und hat bereits zwei Mal den iF Design Award erhalten. Seit Neuestem ist die Rollladenmanufaktur Lizenznehmerin der ‹Polychromie Architecturale› von Le Corbusier. Auch in Sachen Farben bleiben also keine Wünsche offen.
Ersatzneubauten Wohnsiedlung Schwamendinger Dreieck, 2023
Altwiesenstrasse 26, Zürich
Bauherrschaft: Baugenossenschaft Glattal Zürich, Zürich
Architektur: BS + EMI, Zürich
Landschaftsarchitektur: Hoffmann & Müller, Zürich
Ingenieure: EWP, Effretikon
Holzbauingenieure: Reusser, Winterthur
Sonnenschutz Schuppis II: Regazzi, Gordola
Regazzi SA
Via alle Gerre 1
6596 Gordola
+41 91 735 66 00
info@regazzi.ch
www.regazzi.ch
