Das Tageslicht flutet und inszeniert den Raum im Schulhaus in der Zürcher Oberländer Gemeinde Dürnten. Fotos: Philip Böni
Im Auftrag von Cupolux

Eine Lichtkathedrale im Zürcher Oberland

Ein Oberlicht bringt den Tag in den Erschliessungskern eines Schulhauses in Dürnten. Damit entsteht nicht nur ein gut beleuchtetes Lernumfeld, sondern auch ein atmosphärisch inszenierter Raum.

Das älteste und schönste Gebäude des Orts sei zweifellos die reformierte Kirche, steht auf der Website der Gemeinde Dürnten. Der Bau im spätgotischen Stil entstand zwischen 1517 und 1521 – Licht wurde damals gezielt eingesetzt, um den sakralen Raum zu inszenieren und das Streben nach Transzendenz sinnlich erfahrbar zu machen. Gut möglich, dass die Zürcher Oberländer Gemeinde den Eintrag auf der Website bald anpassen muss. Denn in Sachen Lichtbaukunst erwächst der Kirche Konkurrenz.

Die Öffnung mit einer Gesamtfläche von 4,2 mal 7,1 Metern besteht aus zwölf einzelnen Elementen.

Die Glasoberlichter sind mittels Polyesterzargen in drei Reihen auf einem Dachaufbau angebracht.

Damit im Brandfall eine windunabhängige Entrauchung möglich ist, wurde die geforderte RWA-Fläche auf zwei gegenüberliegenden Himmelsrichtungen ausgeführt.

Die neue ‹Kathedrale› ist allerdings kein Sakralbau, sondern ein Schulgebäude. Dank der zentralen Lage im Ortsteil Tann verbindet es zwei bestehende Schulhäuser und verschiedene Nebenbauten zu einem eigentlichen Campus. Wer das Gebäude betritt, ist erst einmal geblendet. Ein grosses Oberlicht über dem zentral positionierten, massiven Erschliessungskern flutet das Entree und die breite zweiläufige Treppenanlage mit natürlichem Licht. Durch das Raster seiner Unterzüge gelenkt, inszeniert es auf Betonwänden und Eichenholzböden ein je nach Tages- und Jahreszeit wechselndes Licht- und Schattenspiel. Die 4,2 mal 7,1 Meter grosse Öffnung befindet sich rund eineinhalb Meter über der Decke des obersten Geschosses. Um die Innenwände des Dachaufbaus ziehen sich, einem Kranz ähnlich, Holzlamellen, die für eine gute Raumakustik sorgen.

Wer die Öffnung von unten als grosse Fläche liest, wird auf dem Dach eines Besseren belehrt: Einzelne, 120 mal 120 Zentimeter grosse Glasoberlichter sind in drei Reihen mit je vier Elementen angeordnet und auf Polyesterzargen montiert, die auf der Holzunterkonstruktion befestigt wurden. Der Aluminiumrahmen der Fensterelemente ist thermisch getrennt, isoliert und mit einer 3-Grad-Neigung ausgeführt, damit das Wasser vom eingebauten Glas ablaufen kann. Die Polyesterzargen sind mit Stehflanschen gegeneinander gestossen, abgedichtet und durch ein Aluminiumprofil abgedeckt.

Durch das Raster der Unterzüge gelenkt, wirft das Licht ein Schattenspiel auf Betonwände und Eichenholzböden.

Das Tageslicht flutet und inszeniert den Raum im Schulhaus in der Zürcher Oberländer Gemeinde Dürnten.

Vier Oberlichter lassen sich im Brandfall über RWA-Taster öffnen.

Im Brandfall lassen sich vier Fensterelemente mittels eines Motors öffnen, damit der Rauch und die Wärme abziehen können. Um eine windunabhängige Entrauchung zu gewährleisten, wurden auf der Ost- und Westseite je zwei RWA-Öffnungen platziert, die sich in die jeweilige Himmelsrichtung öffnen. Die dreifache Sonnenschutz-Isolierverglasung besteht raumseitig aus Verbundsicherheitsglas und aussen aus Einscheibensicherheitsglas. Das sorgt für eine hohe Transparenz bei gleichzeitig gutem Sonnen- und Wärmeschutz. Dank der sorgfältigen Planung und Ausführung der Oberlichter und einer stimmigen Materialwahl ist nicht nur eine gut beleuchtete Umgebung entstanden, sondern auch eine atmosphärische Inszenierung des Raums durch den Einfall des Tageslichts. 

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