Ein Siegel für die Energieeffizienz
Für Neubauten und Sanierungen gelten heute klare Vorgaben an die Energieeffizienz. Ein neues Zertifikat garantiert, dass die Planungswerte im Betrieb auch erreicht werden. Das schont Klima und Geldbeutel.
Der heutige Diskurs um nachhaltiges Bauen dreht sich zumeist um die Erstellung von Gebäuden. Das ist kein Wunder, sind doch Materialherstellung und Transporte, Bau und Rückbau für einen Grossteil der grauen Energie und der Treibhausgasemissionen im Gebäudesektor verantwortlich. Naturbaustoffe und CO2-reduzierte Betonmischungen, Re-Use und Bauteiltrennung – viele Rezepte zur Verbesserung der Klimabilanz sind bekannt, finden aber erst allmählich ihren Weg in die Breite.
Anders sieht es mit Blick auf die Betriebsphase von Gebäuden aus. Auch dank Labels wie Minergie rückte die Energieeffizienz im Betrieb bereits um die Jahrtausendwende in den Fokus. Heute gehören eine gut gedämmte Gebäudehülle, ein fossilfreies Heizsystem und eine Photovoltaik-Anlage für jede verantwortungsbewusste Bauherrschaft selbstverständlich in die Bestellung.
Was den klimaschonenden Betrieb betrifft, sind Schweizer Neubauten und Sanierungen also in der Regel vorbildlich – diejenigen mit Minergie-Zertifikat ohnehin. Weshalb also, fragt man sich, lancierte der Verein im vergangenen Mai das neue Zertifikat ‹Minergie-Betrieb›? «Nach der ersten Inbetriebnahme ist ein Gebäude selten optimal eingestellt», erklärte Sabine von Stockar, Leiterin Bildung und Entwicklung bei Minergie, anlässlich der Lancierung. «Auch bei einem Minergie-Gebäude können Anlagen falsch eingestellt sein oder kaputt gehen. Ist dies der Fall wird das Potenzial an Energieeffizienz, das zweifelsohne bei Minergie-Gebäuden grösser ist, untergraben.» Kurz gesagt: Auch die besten Planungswerte helfen nichts, wenn deren Erreichung im Betrieb nicht regelmässig verifiziert wird. Genau dies garantiert das Zertifikat ‹Minergie-Betrieb›, indem es auf ein automatisches Monitoring und Auswerten der Energiedaten setzt. Zeigen sich Abweichungen von den Zielwerten, kann die Ursache dafür rasch gefunden und behoben werden. Erwerben kann man das Zertifikat frühestens ein Jahr nach Inbetriebnahme. Eine Rezertifizierung alle drei Jahre stellt einen langfristig optimierten Betrieb sicher.
Unabhängiger Qualitätsnachweis
Interessant ist das Zertifikat besonders für grosse Immobilienunternehmen – ökologisch, aber auch finanziell. Sabine von Stockar spricht von rund 15 Prozent Energieeinsparungen, die sich erfahrungsgemäss dank Betriebsoptimierungen über das ganze Portfolio erreichen liessen. «Bei grösseren Portfolios sind 15 Prozent natürlich sehr viel Geld.»
Tatsächlich setzen bereits einige grosse Immobilieneigentümer auf das neue Zertifikat. So auch die Pensionskasse Graubünden (PKGR), die im Rahmen der Lancierung ihr Mehrfamilienhaus an der Tittwiesenstrasse 38 in Chur zertifizieren liess. Das Gebäude mit Baujahr 1980 war bereits 2018 nach Minergie-Standard saniert worden.
Drei Jahre später unterzog die PKGR ihr gesamtes Portfolio einer umfassenden energetischen Betriebsoptimierung, im Zuge derer der Energieverbrauch an der Tittwiesenstrasse um stolze 30 Prozent gesenkt werden konnte. «Das Zertifikat ‹Minergie-Betrieb› bestätigt die erreichte Qualität im Betrieb und schafft Transparenz und Vergleichbarkeit», sagt Sascha Bügler, Bauherrenvertreter bei der PKGR. Ein alleiniges Monitoring liefere zwar Daten, doch ohne klaren Vergleichsrahmen würden Zielvorgaben und Qualitätskontrolle fehlen, so Bügler. «Das Zertifikat definiert Grenzwerte, überprüft diese extern und sorgt so für Transparenz, Verbindlichkeit und Vergleichbarkeit. Es ist ein unabhängiger Qualitätsnachweis, den wir intern in dieser Form nicht erbringen könnten.» Mittelfristig möchte die PKGR einen möglichst grossen Teil ihres Portfolios zertifizieren – und damit die Qualität über ihren gesamten Bestand hinweg kontinuierlich steigern.
«Das eine tun und das andere nicht lassen», lautet eine populäre Redewendung. Auch wenn der Diskurs um nachhaltiges Bauen in absehbarer Zukunft zu Recht weiterhin auf die Phase der Erstellung fokussieren wird: Um unsere Klimaziele zu erreichen, müssen wir sämtliche verfügbaren Hebel betätigen. Noch haben wir auch in der Phase Betrieb Luft nach oben. ‹Minergie-Betrieb› trägt dazu bei, dass diese etwas dünner wird.
Die Rubrik Werkplatz ist eine Kooperation von Hochparterre mit ausgesuchten Firmen und Institutionen des Werkplatzes Schweiz.
Weitere Informationen zum Zertifikat Minergie-Betrieb finden Sie hier.