Aus der gemütlichen Kissenlandschaft des neualten Güterschuppens geht der Blick weit über See und Berge. Fotos: Ruedi Homberger
In Zusammenarbeit mit Jansen

Neues Leben im Baudenkmal

In Arosa wurden in einen denkmalgeschützten Güterschuppen ein Restaurant, eine Bar und eine Lounge eingebaut. Die schmalen Bogenfenster von Jansen lassen viel Tageslicht in den Bauzeugen fallen.

Als die Bahnstrecke Chur-Arosa 1914 eröffnet wurde, war sie der krönende Abschluss des rhätischen Schienennetzes. Auf nur 26 Kilometern klettert die sogenannte Arosabahn noch heute vom Churer Bahnhofplatz 1000 Höhenmeter zum damaligen Kur- und heutigen Wintersportort hinauf. Hinter das prachtvolle Aufnahmegebäude der Architekten Meier und Arter (das 1964 leider durch einen nüchternen Neubau ersetzt wurde) hat die Rhätische Bahn (RhB) 1917 einen einfachen Güterschuppen gebaut. Das wohlproportionierte Lagerhaus sammelte alles, was der Kurgast und die Besucherin der aufstrebenden Tourismusdestination für den Aufenthalt brauchte – und das war damals wie heute nicht wenig. Das zahlreiche Stückgut wurde über die Geleise im Rücken des Schuppens angeliefert und strassenseitig über grossen Torbogen zu den Empfängern weitertransportiert.

Riesige Glasfenster mit schmalen Profilen in den Torbögen holen die dramatische Bergkulisse in den ehemaligen Güterschuppen.

Als die Rhätische Bahn zum 100-Jahr-Jubiläum 2014 den Bahnhof umbaute und auch eine neue Güterumschlagshalle bauen liess, verlor der alte Güterschuppen endgültig seine Funktion. Die RhB gaben den denkmalgeschützten Bauzeugen an das Gastrounternehmen Blue Mountain im Baurecht ab. Es funktionierte die Lagerhalle an bester Lage und quasi mit Seeanstoss in ein Restaurant mit industriellem Charme um. Blue Mountain gab dem Architekten Peter Schillig den Auftrag, darin eine Lounge, ein Restaurant und einer Bar einzurichten und dabei soviel wie möglich von der alten Struktur des Gebäudes zu erhalten. «Weil das Gebäude aber über die Jahre immer wieder umgebaut und angepasst wurde, war nicht mehr alles historisch», erklärt Peter Schillig. Der Architekt hat den industriellen Charakter des Gebäudes teilweise wiederherstellen müssen. Dafür kamen einfache und robuste Materialien wie Altholz, Schwarzstahl und Beton zur Verwendung.

Aus dem ehemals dunklen Lagerschuppen wurde ein lichtdurchfluteter Gastrotempel.

Schillig und sein Team hat aber nicht nur den Rahmen für den stilvollen Alpenchic der Innenarchitekten von Nader Interior geschaffen, sondern vor allem aus der dunklen Lagerhalle einen lichtdurchfluteten Gastrotempel gemacht. Dafür hat er die alten hölzernen Garagentore in den riesigen Torbögen durch Glasflächen ersetzt. Sie holen die imposante Bergkulisse in den knapp 300 Quadratmeter grossen Raum. Hoch und hell erscheint er jetzt, die grossen Bogenöffnungen tragen zum Charme des Innenraums bei und erinnern an seine frühere Funktion. In seinem Zentrum wurde eine offene Küche mit Holzkohle-Ofen eingebaut und entlang der Längsfassade eine grosse Barzeile mit Lounge Bereich angeordnet. Rings um den grosszügigen Cheminée-Kubus am Ende des Gastraums laden komfortable Sofas zum Entspannen ein. «Die Rundbogenfenster mit ihren schmalen Stahlprofilen lassen nicht nur besonders viel Tageslicht in den Raum fallen, sie erinnern in ihrer Feinheit eben auch an die typische Einfach-Industrieverglasung aus den Anfängen des 19. Jahrhunderts», so Schillig.

Der denkmalgeschützte Bauzeuge aus dem Jahr 1917 an bester Lage in Arosa wurde in ein Restaurant umgenutzt.

Die Metallbauer von Wüst Metallbau haben die Fenster aus dunklen Profilen des Stahlsystems Janisol Arte gebaut. Schmale Ansichtsbreiten von 25 bis 40 mm bei Festverglasungen ermöglichten eine schlanke Konstruktion. Bei der fünf Meter hohen Festverglasung an der Giebelseite – mit ihrem gebogenen Abschluss nach oben und ihren integrierten Fenstertüren – wurden die Profile mit filigranem Stahlflachrohr verstärkt. Für den Haupteingang und zwei Innentüren kam eine Kombination mit Janisol-Profilen zum Einsatz. Da auch Lärmvorgaben einzuhalten waren, wurde ein zweifach Isolierglas aus Schallschutz-Verbundgläsern eingesetzt. All diese technischen Anforderungen, Eigenheiten und Leistungen bleiben in Arosa aber diskret im Hintergrund. Wer sich tief in einen der kissenbestückten Loungsessel am Fenster fallen lässt, den überfällt vor allem Behaglichkeit und Gemütlichkeit. Denn der Gast interessiert sich viel mehr für den Blick auf die beeindruckende Bergkulisse als fürs Fenster. Das speziell für Umbauten optimierte Profilsystem Artisol von Jansen lässt der dramatischen Landschaft elegant den Vortritt.

Das neue Rundbogenfenster am Kopf des ehemaligen Güterschuppens ist fünf Meter hoch.

Die Rubrik Werkplatz ist eine Kooperation von Hochparterre mit ausgesuchten Firmen und Institutionen des Werkplatzes Schweiz.

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