Der Ersatzneubau für das Walo-Haus steht an der Limmatstrasse in Zürich. Fotos: Peter Tillessen
Im Auftrag von Sulser

Neuer Schwung

Ein Wohnhaus ersetzt das Bürogebäude der Firma Walo in Zürich. Die gerundeten Fassadenelemente erinnern an dessen Ursprünge. Hergestellt hat sie der Betonspezialist Sulser in Handarbeit.

Das Walo-Haus prägte Zürich an der Limmatstrasse seit den 1950er-Jahren mit seinen klaren Linien: Geometrischer Raster aus Beton, gefüllt mit roten Backsteinen. Die Baufirma Walo zeigte damit der Stadt, dass sie architektonisch auf der Höhe der Zeit war. Doch zwei Generationen später wurde ihr das Haus zu eng für die gestiegenen Bedürfnisse. Mehrere Studien für einen Umbau konnten die Bauherrschaft nicht überzeugen. Also entschied die Firma, das Haus zu verlassen, den Geschäftssitz nach Dietikon zu verlegen und das Bürohaus durch einen Neubau für Wohnungen zu ersetzen. Vor dem Abbruch nisteten sich im Gebäude Start-ups ein als Zwischennutzung.

Duplex Architekten entwarfen einen kompakten Neubau mit fünf Stockwerken, plus zwei Attikageschosse. Die Maisonette-Wohnungen in den oberen Stockwerken verschachtelten sie wie Tetris-Steine ineinander. Im öffentlichen Erdgeschoss ist Raum für Geschäfte. Fast alle Wohnungen sind dank der Erker über Eck organisiert und haben in zwei Richtungen Ausblick. Auffälligstes Merkmal der Fassaden aber sind ihre Rundungen. Die Brüstungen schwingen um die Ecken des Hauses und sind auch im Profil leicht nach innen gewölbt.

Die Betonplatten der Fassade sind nach innen geschwungen.

Die geometrischen Kurven lassen den Geist der Eigentümerfirma weiterleben, obwohl sich Nutzung und Architektur des Gebäudes komplett gewandelt haben. Walo wurde 1917 noch während dem Ersten Weltkrieg in Zürich gegründet. Ihre Ursprünge liegen im Strassen- und Fussbodenbau. Für die Landi 1939 in Zürich beispielsweise baut die Firma farbige Asphaltbeläge und Pflästerungen. Die terrazzoartige Fassade an der Limmatstrasse knüpfen an dieser Firmengeschichte an und transferieren sie in die Vertikale.

Die Brüstungselemente bestehen aus Beton mit verschiedenfarbigem Kies. Hergestellt hat sie die Firma Sulser in Trübbach im St. Galler Rheintal, die auf Fassadenelemente aus Beton spezialisiert ist. Die Elemente wurden im Werk vorgefertigt. «Am meisten forderte uns die dreidimensionale Form heraus, vor allem der Eckelemente», sagt Kurt Willi, Betriebsleiter der Firma. «Um die Wölbungen hinzukriegen, war vor allem der Schalungsbau anspruchsvoll.» Die Arbeiter benutzten dafür eine gekrümmte Holzschalung, die sie – ähnlich wie im Schiffbau – aus einer Spanplatte und Holzlatten konstruierten und die sie jeweils wiederverwenden konnten. Damit sich die Maserung des Holzes nicht im Beton abzeichnet, wurden die Flächen mit Acrylharz behandelt und dann glattgeschliffen.

Die Schalung gossen die Arbeiter mit selbstverdichtendem Beton aus, dem sie Andeer Granitstein als Zuschlag beigaben, um den Grünschimmer zu erhalten. Nach dem Betonguss war Handarbeit gefragt: Da die konvexen Flächen nicht maschinell geschliffen und poliert werden konnten, verwendeten die Arbeiter Winkelschleifer für den Finish. Nur so konnte der Glanzgrad erreicht und die grüne Körnung sichtbar gemacht werden, ähnlich wie bei einem Terrazzo-Boden. All das brauchte Zeit: «Pro Element dauerten alle drei Schleifvorgänge zwei bis zweieinhalb Tage», so Willi. Um die Oberfläche zu schützen, wurden die Bauteile am Schluss hydrophobiert. «So sehen die Elemente bei jedem Wetter gut aus.»

Die Erkerfenster öffnen den Blick in die Nachbarschaft.

Die Fenster und die Betonelemente verlaufen rund über die Ecken des Gebäudes.

Die Betonfertigteile sind als hinterlüftete Elemente montiert und wurden zusammen mit dem Rohbau hochgezogen. Sie sind mit den Deckenplatten vergossen und über einen Druckplattenanschluss nach innen gedämmt. Die Brüstung verläuft etwas tiefer als normalerweise üblich, was die Aussicht vergrössert. Dünne Stäbe aus eloxiertem Metall sorgt für die nötige Absturzhöhe. Stoffmarkisen setzen weiche Akzente. Die Fenster lassen sich öffnen: Gelüftet wird im Haus von Hand. Wie bei der Fertigung der Betonrundungen bringt die manuelle Kontrolle auch hier einen spürbaren Mehrwert mit sich.

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